Die Hassler-Messe vom 1. März wurde bereits im letzten Newsletter besprochen, am 8. März singen unsere Kolleg*innen vom CMW eine Messe von Fux, und somit beginnt unser März-Newsletter erst am 15. März, da allerdings gleich mit einem Höhepunkt der A-capella-Literatur. Rheinbergers doppelchörige Messe – zuletzt am 11. März 2018 aufgeführt – ist auch für den Chor immer eine schöne Herausforderung. Wunderschöne Musik, aber gar nicht so leicht, wie sich das vielleicht anhört. Der Chor singt nicht nur achtstimmig, sondern ist tatsächlich in zwei Chöre – links und rechts – geteilt, die einander die Textabschnitte der einzelnen Teile sozusagen zuwerfen. Die beiden Chöre erfreuen sich aneinander: wie passend für „Laetare“!
Mit der Deutschen Messe von Schubert und der „Missa dolorum“ von Michael Haydn beendet die Chorvereinigung die Fastenzeit und enthält sich auch – möglicherweise letztmalig – der musikalischen Gestaltung der Karwoche. Wir sind dann erst wieder am Weißen Sonntag mit der „Harmoniemesse“ von Haydn, der letzten der „großen 6“, zu hören.
Eine gute Zeit der Umkehr und der Neubesinnung („metànoia“) wünscht Ihnen allen
Martin Filzmaier
4. Fastensonntag („Laetare“), 15. März 2026, 10:30 Uhr
Joseph Gabriel RHEINBERGER: „Cantus missae“; op. 109 (1878)
Von den Orgelsonaten einmal abgesehen, handelt es sich bei „Cantus Missae“, einer doppelchörigen Messe in Es-Dur von Joseph Gabriel Rheinberger (geboren 1839 in Vaduz/Liechtenstein, gestorben 1901 in München), die 1878 entstand und Papst Leo XIII gewidmet ist, wohl um Rheinbergers bekanntestes Werk. Rheinberger komponierte es in den Monaten direkt nach seiner Ablehnung der Ideale des Cäcilianismus, einer konservativen Strömung, die es sich zum Ziel gesetzt hatte, das Musizieren in der römisch-katholischen Kirche im neunzehnten Jahrhundert zu reformieren. Die Cäcilianer bemühten sich darum, der Kirchenmusik einen festen Platz in der Liturgie zukommen zu lassen, indem sie bewusst jede musikalische Individualität zugunsten einer klaren Textdeklamation unterdrückten und jede Art von künstlerischem Gestus, der in irgendeiner Weise der Aufklärung nahestand, ablehnten. Rheinbergers doppelchörige Messe ist zwar unzweifelhaft früheren Vorbildern verpflichtet, lässt aber gleichzeitig die neu gefundene Freiheit und Flexibilität des Komponisten bei der Komposition von Kirchenmusik zu Tage treten.
Gleich von den ersten Takten an klingt in der antiphonalen Kompositionsweise die in der Hoch-Renaissance verhaftete Pracht der venezianischen Tradition der cori spezzati (geteilte Chöre) wider, und auch die Schatten Bachs und Mendelssohns sind nie weit entfernt. Dennoch ist diese Musik ganz und gar Rheinberger und zeigt sehr eindrucksvoll seinen herrlich unvorhersehbaren Einfallsreichtum. Im Herzen der Messe stehen die prägnanten und zum großen Teil silbengenauen Vertonungen von Gloria und Credo. Bemerkenswert sind einige Momente der ungezügelten Wortmalerei (die von der Cäcilianischen Bewegung verboten wurde) bei den Worten „et incarnatus est“, „descendit“ und „ascendit“ im Credo. Diesen zentralen Sätzen geht das ausgedehnte Kyrie voran, und dem Credo folgt ein himmlisches Sanctus, ein sanft tanzendes Benedictus und ein Agnus Dei, dessen sorgfältig notierte dynamische Kontraste und elliptische Modulationen in ein erweitertes „dona nobis pacem“ überleiten. Die instrumental angelegten Texturen dieses Abschnitts bringen dieses bemerkenswerte Werk zu einem geradezu symphonischen Abschluss.
Text aus dem Internet, Autor unbekannt.
5. Fastensonntag („Iudica“), 22. März 2026, 10:30 Uhr
Franz SCHUBERT – Deutsche Messe, D 872 (1826)
Das Werk wurde von dem Professor an der Wiener Technischen Hochschule, Johann Philipp Neumann (1774-1849), der auch die Texte verfasste, in Auftrag gegeben. Von Schubert selbst gibt es zwei Fassungen, eine für vierstimmigen gemischten Chor mit Orgel sowie eine weitere, die zusätzlich je zwei Oboen, Klarinetten, Fagotte, Hörner und Trompeten, sowie drei Posaunen, Pauken und einen Kontrabass vorsieht. Daneben gibt es mehrere Bearbeitungen von Schuberts Bruder Ferdinand, darunter eine für drei Knabenstimmen mit Orgel sowie eine für vier Männerstimmen ohne Begleitung. Verbreitung gefunden hat das populäre Werk aber durch eine Vielzahl weiterer Bearbeitungen, die häufig auf die Bedürfnisse und Möglichkeiten der Pfarrgemeinden zugeschnitten wurden.
Ihren Namen hat die Deutsche Messe daher, dass sie, anders als die meisten geistlichen Werke der Zeit, die Landessprache verwendet. Dies, sowie die sehr freie, assoziative und romantisierende Übertragung und Interpretation des liturgischen Textes führte zur anfänglichen Ablehnung des Opus durch das Wiener Erzbischöfliche Konsistorium, erlangte jedoch bald weite Popularität, insbesondere durch die Verbreitung der deutschen Bet- und Singmesse in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.
Die Gesänge der Deutschen Messe sind im kirchlichen Alltag, insbesondere in Österreich und in Süddeutschland, bis zum heutigen Tag sehr verbreitet und populär. Die Deutsche Messe ist in mehreren Regionalanhängen des katholischen Gebets- und Gesangbuches Gotteslob enthalten.
Musikalisch ist die Deutsche Messe von schlicht-eingängiger, diatonischer Melodik und gleichmäßiger Rhythmik geprägt; modulatorische Komplikationen werden weitgehend vermieden, wodurch sie für jedermann leicht singbar ist. Ihre acht strophisch gehaltenen und homophon gesetzten Teile erinnern in ihrer schlicht-syllabischen Deklamation an den Gemeindegesang und verraten deutlich, dass ihr Schöpfer seinen Weltruhm insbesondere als Liedkomponist errungen hat. Dabei stützt er sich zudem eindeutig auf das Vorbild des Deutschen Hochamtes von Michael Haydn, einem Komponisten, den er sehr schätzte.
Der Text stellt keine Übersetzung der tradierten lateinischen Vorlagen dar, sondern beruht vielmehr auf der Sammlung „Geistliche Lieder für das heilige Messopfer“ des Auftraggebers J. P. Neumann aus dem Jahre 1826. Während die lateinischen Texte des katholischen Ritus großteils den Lobpreis Gottes in den Mittelpunkt stellt, rücken die Texte der Deutsche Messe eher den Menschen mit seinen irdischen Sorgen und Nöten ins Blickfeld und sollen auch als Messandachten dienen.
Diese Messe ist auf CD erhältlich. Text aus dem Internet, Autor unbekannt.
Palmsonntag, 29. März 2026, 10:30 Uhr
Michael HAYDN – Missa quadragesimalis, MH 57/MH 552
„Missa dolorum Beatissimae Mariae Virginis“ (1762/1794)
Neben Wolfgang Amadeus Mozart, der im Jahr 1781 seine Vaterstadt endgültig verließ, war Johann Michael Haydn (1737 – 1806) in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts der bedeutsamste Musiker, der am fürsterzbischöflichen Hof in Salzburg wirkte, und der weit über dessen Grenzen hinaus berühmt wurde. Obwohl Michael Haydns Schaffen alle damals üblichen Gattungen der Musikpflege umfasste – er schrieb neben zahllosen Symphonien und Serenaden auch Opern und verschiedene Singspiele – war er zu seinen Lebzeiten vor allem als Kirchenmusiker bekannt und hochgeachtet. Freilich berührt jene Äußerung Joseph Haydns über den jüngeren Bruder gegenüber dem Verleger Georg August Griensinger gleich zwei Bereiche, die für Johann Michaels Leben als Komponist von entscheidender Bedeutung waren: „In der Kirchenmusik verdienen die Arbeiten seines Bruders, Michael Haydn, eine der ersten Stellen; es sey aber nur schade, dass dieses Fach so schlecht bezahlt werde, denn man könne sich mit einem Dudelsack mehr verdienen als mit Offertorien und Messen“.
Der von Bescheidenheit und tiefer Frömmigkeit geprägte Charakter Michael Haydns hielt ihn von 1763 bis zu seinem Tode 1806 bei mäßiger Bezahlung in den Diensten der Salzburger Fürsterzbischöfe. Zunächst unter Mozart nur als “Hofmusicus und Concertmeister“ angestellt, übernahm er 1777 zusätzlich die Organistenstelle an der Dreifaltigkeitskirche und wurde am 30. Mai 1782 schließlich nach Mozarts Zerwürfnis mit dem Fürsterzbischof als dessen Nachfolger zum 1. Hof- und Domorganisten ernannt. Der größte Teil seiner unübersehbar vielen Kompositionen wurde zu Johann Michaels Lebzeiten niemals im Druck veröffentlicht, und auch die ihm vom Fürsten Esterházy noch 1802 angebotene Stelle als Hofkapellmeister in der Nachfolge seines Bruders Joseph schlug er aus. Karrieredenken und ein – vielleicht auch finanzielles – „Fortkommen in der großen Welt“ blieben ihm Zeit seines Lebens fremd. Zeugnis für die von ihm selbst vielleicht gar nicht so wahrgenommene eigene Berühmtheit legen Kompositionsaufträge des Kaiserhofes in Wien, des spanischen Hofes in Madrid und die Aufnahme in die „königliche Schwedische Musikakademie“ ab. Zu seinen Schülern gehörten Carl Maria von Weber und Anton Diabelli. Johann Michael Haydn blieb auch beim Einfall der Franzosen in seinem geliebten Salzburg und starb nach langer Krankheit verarmt und einsam am 10. August 1806. Den Tod des einzigen Kindes, der Tochter Aloisia Josepha, die er mit seiner Frau, der Hofsängerin Magdalena Lipp hatte, verwand Johann Michael Haydn bis zu seinem Tode nicht.
Michael Haydns Musik lässt einen tiefgründigen und vielschichtigen Charakter erkennen, der sich in seinen Kompositionen niemals zu leeren Floskeln hinreißen ließ. Seine Manuskripte stellen fast immer saubere und erstaunlich fehlerfreie Reinschriften dar. Seine sehr anspruchsvolle Behandlung des Orchestersatzes steht weit über der seiner Zeitgenossen und übte einen nicht zu verachtenden Einfluss auf den jungen Mozart aus, der sich 1791 für die Komposition des Requiems das berühmte, schon 1771 entstandene Requiem von Johann Michael Haydn als nicht zu verkennendes Vorbild nahm.
Bei der am 6. März 1794 fertiggestellten Messe handelt es sich nicht um eine Neukomposition, sondern um eine wiederverwendete Version der Missa Dolorum Beatissimae Virginis Mariae, die Haydn 1762 in Großwardein komponiert hatte. In der Sparsamkeit der Mittel und dem ausgesprochen homophonen Stil entspricht sie den Werken, die unter dem Einfluss der liturgischen Reform in Salzburg in den 1790er Jahren entstanden. Verwendung auch in der Adventszeit möglich (Messe ohne Gloria).
(aus dem Internet, Autor unbekannt)



