Brahms: Ein deutsches Requiem
und Mozart-Schwerpunkt

Jesuitenkirche

NEWSLETTER OKTOBER 2018
Liebe Freunde der Kirchenmusik!
Sehr geehrte Damen und Herren!
Als Herbstkonzert 2018 wird die Chorvereinigung am Dienstag, dem 16. Oktober um 19:30 „Ein deutsches Requiem“ von Johannes Brahms zur Aufführung bringen. Wir haben dieses Werk zuletzt 2013, also vor fünf Jahren, dargeboten. Der Kartenverkauf ist bereits in vollem Gange. Karten gibt es im Vorverkauf online zu bestellen (Kat. A: € 35,- und Kat. B: € 30,- )! Sie können auch per e-mail bestellen unter bestellung(at)chorvereinigung-augustin.com oder per Telefon unter +43 677-624 302 84, und am 14. Oktober auch nach dem Hochamt. An der Abendkassa kosten die Karten € 35.- und € 40.-
Im Laufe dieses Monats setzen wir einen kleinen Mozart-Schwerpunkt in der Jesuitenkirche mit drei Messen des Komponisten: die Missa solemnis in C, KV 337, die Missa brevis in D, KV 194 und – zum ersten Mal – die Missa brevis in F, KV 192, genannt „Kleine Credomesse“. Seltsamerweise wurde diese schöne Messe in der langen Geschichte der Chorvereinigung noch nie aufgeführt! Besonders interessant auch die Tatsache, dass diese beiden Messen knapp hintereinander komponiert wurden. Zu den Offertorien dieser drei Messen hören Sie drei Kirchensonaten von Mozart. Am 14.10. wird die Kirchensonate in D-Dur, KV 245, zum ersten Mal bei uns aufgeführt.
Bitte kommen Sie zu uns in die Jesuitenkirche, bringen Sie Ihre Freunde mit, machen Sie Werbung für unsere Arbeit und unterstützen Sie uns mit Ihrer Spende. Auch durch den Kauf von CDs mit unserem Chor unterstützen Sie uns! Alle im Oktober gesungenen Werke (außer der „Kleinen Credomesse“) gibt es auf CD, bzw. DVD.

Hartwig Frankl, Obmann


Sonntag, 14. Oktober 2018: W.A. Mozart – Missa solemnis in C, KV 337 (1780)
Die Messe in C-Dur KV 337 ist Mozarts letzte vollständige Messvertonung. Obwohl die Messe auch unter dem (nicht originalen) Beinamen „Missa solemnis“ bekannt ist, weist sie nur durch die festliche Orchesterbesetzung Ähnlichkeiten mit der Gattung der Missa solemnis auf. Aufgrund der knappen und konzentrierten Anlage ist sie ansonsten eher als Missa brevis zu charakterisieren. Im Autograph der Partitur ist sie auf März 1780 datiert und war für das feierliche Osterhochamt im Salzburger Dom bestimmt. Gegenüber der ein Jahr früher entstandenen Krönungsmesse, in deren Schatten das Werk zu Unrecht steht, weist die Messe KV 337 eine strengere kirchenmusikalisch-liturgische Haltung, aber einen durchaus vergleichbaren Einfallsreichtum auf. Insbesondere geben die Holzbläser dem Werk einen mehr kammermusikalischen, introvertierten Charakter. Das knappe, getragene Kyrie löst sich von der traditionellen, vom Text bedingten Dreiteiligkeit. Das formal straffe Gloria lehnt sich an das Sonatensatzschema an, das Credo an das Ritornellprinzip. Das Benedictus ist eine strenge Fuge, die einzige in Mozarts Salzburger Messen. Mit dem melodiösen Agnus Dei, einer konzertierenden Anlage von Sopran-Solo, Oboe, Fagott und Orgel, begleitet von sordinierten (gedämpften) Streichern, wandelt sich der Stil zu einer poetischen Anmutigkeit, die deutlich über den Rahmen einer Missa brevis hinausgeht.
Als Solisten hören Sie Cornelia Horak, Martina Steffl, Gernot Heinrich und Klemens Sander.
Zum Offertorium erklingt die Kirchensonate in D-Dur, KV 245.
Dieselbe Registrierungsangabe wie bei KV 244 (Mozart wollte das Orgelsolo ausdrücklich mit der „Copula allein“ gespielt wissen, einem nicht lauten und flötenartig klingenden Register) steht auch beim etwas weniger exponiert konzertierenden Orgelpart dieser ebenfalls im April 1776 entstandenen Kirchensonate. Während Mozart bei seinen Kirchensonaten in der Regel das Manualiterspiel vorsieht, verlangt er hier einen fünf Takte lang im Pedal ausgehaltenen Ton als Orgelpunkt.

(Aus „Mozart sakral“, 2006)


Dienstag, 16. Oktober 2018 um 19.30 Uhr – ABENDKONZERT:
Johannes Brahms: “Ein Deutsches Requiem“

„Der tiefe Ernst, vereint mit allem Zauber der Poesie, wirkt wunderbar“, urteilte Clara Schumann über Brahms‘ Requiem. Dass es das Innerste berührt, das lässt sich in der Jesuitenkirche erleben, im dafür perfekt geeigneten Raum. Dieses absolute Meisterwerk der Chor-Orchesterliteratur, das normalerweise nur in Konzerthäusern zu hören ist, erfährt durch die Aufführung in einem sakralen Raum noch einmal eine Steigerung des Erlebens! Es handelt sich nicht einfach nur um eine musikalisch geglückte und höchst kunstvolle Vertonung, sondern auch die theologischen Inhalte werden in einer Verständnistiefe transportiert, die offenbar weit über die zur damaligen Zeit sonst „übliche“ Umgangsweise mit den Texten hinaus weist.
Unter einem Requiem versteht man gemeinhin die Liturgie der Totenmesse der katholischen Kirche bzw. kirchenmusikalische Kompositionen zum Totengedenken. Der im evangelisch-lutherischen Hamburg groß gewordene Brahms orientierte sich bei der Auswahl seiner Texte aber nicht am traditionellen Kanon des Requiems als Totenmesse, sondern wählte aus Texten des Alten und Neuen Testamentes in der Fassung der Lutherbibel. Der kirchenmusikalischen Gattung des Requiems kann und soll Brahms Stück deshalb nicht gerecht werden; von der Anlage – vor allem der Besetzung – her kann man es eher als Oratorium bezeichnen. 1861 begann er dann mit der Zusammenstellung der Texte. Nach dem Tod der Mutter 1865 scheint er die Arbeit an dem Werk wieder aufgenommen zu haben. Der heutige Satz V wurde erst im Mai 1868 komponiert und nach den ersten Aufführungen in das Werk eingefügt. Die ersten drei Sätze wurden Anfang Dezember 1867 durch den Wiener Singverein in einem Konzert der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien uraufgeführt, mit eklatantem Misserfolg. Das vollständige Werk, wie wir es heute kennen, erlebte am 18. Februar 1869 seine Uraufführung im Leipziger Gewandhaus. Das Requiem sollte der Durchbruch für den gerade 33-jährigen Komponisten und eines seiner populärsten Werke werden.
Als Solisten wirken mit: Cornelia Horak (Sopran), und Klemens Sander (Bariton), Leitung: Andreas Pixner


Sonntag, 21. Oktober 2018: W.A. Mozart – Missa brevis in D-Dur, KV 194 (1774)
Es ist kein verbreiteter Beiname geworden, aber im Kirchenmusiker-Jargon wurde die Missa brevis in D-Dur, KV 194, oft „Kontrapunktmesse“ genannt. Sie trumpft nicht mit kontrapunktischen Kunststücken auf, ist aber mit einem feinen, kontrapunktischen Gewebe fest durchzogen. Die damit verbundene durchsichtige Struktur entspricht – wie KV 192 – in besonderer Weise einem kleinen Kirchenraum, was es leicht macht, das Kompositionsdatum vom 8. August 1774 wieder mit den bei KV 192 beschriebenen Festlichkeiten zur Feier der 100. Wiederkehr der Kirchweihe von Maria Plain in Zusammenhang zu bringen. Dass Mozart so knapp hintereinander drei kirchenmusikalische Werke schrieb, muss ja einen besonderen äußeren Anlass gehabt haben.
Nicht nur wegen des kontrapunktischen Satzes hat diese Messe – im deutlichen Unterschied zur viel galanteren F-Dur-Messe, KV 192 – einen leicht retrospektiven Charakter. Die h-Moll-Sätze im „Et incarnatus est“ des Credo und im Agnus Dei hat Karl Pfannhauser mit „altbarockem Pathos“ charakterisiert. Das dichte Stimmengewebe zwischen den beiden Violinen und den beiden hohen Solostimmen kennt man aus deutlich älteren Messen, und auch das strenge Gehabe von Sanctus und „Hosanna“ (mit jeweils fugierten Einsätzen) ist eine Tonsprache aus älterer Zeit. Fast möchte man an das Bibelwort „…was gut ist, behaltet“ denken, wenn man über Mozarts Beweggründe für diese Gestaltung seiner Missa brevis in D-Dur spekulieren möchte. So modern und neuerungsfreudig Mozart auch war, er hat nie den Boden der Tradition unter den Füßen verloren.

(Aus „Mozart sakral“, 2006)

Die Solisten sind Cornelia Horak,Sopran; Annely Peebo,Alt; Gernot Heinrich,Tenor; Markus Volpert,Bass.
Zum Offertorium erklingt die Kirchensonate in F-Dur, KV 244 von W.A. Mozart.
Diese Kirchensonate aus dem April des Jahres 1776 ist die erste von jenen fünf Kirchensonaten, in denen Mozart die Orgel konzertierend eingesetzt hat. Für Organisten ist interessant, dass Mozart das Orgelsolo ausdrücklich mit der „Copula allein“ gespielt wissen wollte, einem nicht lauten und flötenartig klingenden Register. Diese Registrierungsangabe ist vielsagend für die Intonation von Mozarts Orgel, die Akustik im Salzburger Dom sowie für die Balance und Dynamik in der damaligen Aufführungspraxis.


Sonntag, 28. Oktober 2018: W. A. Mozart – Missa brevis in F-Dur „Kleine Credomesse“, KV 192 (1774)
Im August 1754 wurde der 100. Jahrestag der Kirchweihe der vor den Toren Salzburgs liegenden Wallfahrtskirche Maria Plain mit einer von 13. bis 21. August währenden Festwoche gefeiert, die durch acht Tage täglich feierliche Vormittags- wie Nachmittagsgottesdienste – insgesamt 26 (!) – brachte. Vom 19. August heißt es in einer zeitgenössischen Beschreibung, dass die Musik beim Hochamt besonders schön und künstlerisch gewesen sei, weil „erstlich fast lauter Hochfürstliche Hofmusikanten solches producirt haben: sonderlich aber der alte, und iunge, beyde berühmte Herrn Motzart. Bey welchem der iunge Herr Motzart ein Orgel, und ein Violinkonzert, zu aller Leuthen Verwunderung, und Erstaunung gemacht.“
Man bringt die mit 24. Juni 1774 datierte Missa brevis in F-Dur, KV 192, deren feine kammermusikalische Struktur an einen kleinen Kirchenraum denken lässt, die aber durch (allerdings vielleicht nachkomponierte) Trompeten und Pauken auch genug Festglanz erhält, wohl zurecht mit Maria Plain in Zusammenhang: entweder mit dem Jahr für Jahr am 5. Sonntag nach Pfingsten (1774 am 4. Juli) gefeierten Gedächtnistag der 1751 erfolgten Krönung des Gnadenbildes oder mit den beschriebenen Festlichkeiten zum hundertjährigen Kirchweihfest. Das Credo wird von jenem Motiv angestimmt, das den Schlusssatz der Jupiter-Symphonie prägt, aber auch schon in Mozarts erster Symphonie, KV 16, aufgetaucht ist. Es wird zu den Worten „credo, credo“ mehrmals innerhalb des Satzes wiederholt, womit diese Messe zum Typus der zahlreichen Credo-Messen zu zählen ist, wie auch Mozarts Messe KV 257, die diesen Typus-Namen als Beinamen („Große Credomesse“) erhalten hat. In ihr taucht das Credo-Motiv dieser Messe im Übrigen im Sanctus auf.
Dass Mozart bei diesem Hochamt am 19. August sowohl ein Orgel- wie ein Violinkonzert gespielt hat, informiert uns wieder einmal grundsätzlich über die Funktion der Instrumentalmusik in der damaligen Kirchenmusik: Sowohl der Gradual- wie der Offertoriumsgesang sind bei diesem festlichen Gottesdienst durch ein Instrumentalkonzert ersetzt worden. – Lob Gottes mit Musik, ohne Worte.

(Aus „Mozart sakral“, 2006)

Solisten: Veronika Kaiser, Sopran; Martina Steffl, Alt; Alexander Kaimbacher, Tenor; Yasushi Hirano, Bass.
Zum Offertorium musiziert das Orchester die Kirchensonate in G-Dur, KV 274.
Im August 1777 hat der Konzertmeister W.A. Mozart um die Entlassung aus den Diensten der Salzburger Hofkapelle gebeten, weil er in der großen musikalischen Welt sein Glück suchen wollte. Eine Reise nach Paris sollte ihm das ermöglichen. Der Erzbischof nahm das Gesuch an und dekretierte, dass er sein „Glück weiter zusuchen die Erlaubniß“ habe. Zu den letzten Werken, die er damals für die Hofkapelle geschrieben hat, zählen die Kirchensonaten KV 274 und KV 278. Ferner wird vermutet, dass in der ersten Hälfte dieses Jahres auch noch eine Messe (KV 275) und ein kleineres Kirchenmusikwerk (KV 277 Offertorium) entstanden sind.
Eineinhalb Jahre später ersuchte Mozart um die Wiederaufnahme in die Salzburger Hofkapelle und wurde wieder als Hoforganist angestellt.