Newsletter Februar 2026

 

Am 18. Jänner fand in der inzwischen (beinahe) eiskalten Kirche eine sehr gelungene Aufführung von Haydns Missa in angustiis, der „Nelsonmesse“, statt. Das d-Moll dieser großartigen Komposition passt sehr gut zu den 5°C, mit denen die Musiker da (übrigens tadellos und heldenhaft!) zurechtkommen mussten. Und vielleicht passt auch keine andere Messkomposition schon von ihrer Thematik her – „in Bedrängnis“ – besser in unsere Zeit als dieses einerseits dramatische, an anderen Stellen aber auch wieder so innige und trostvolle Werk – denken Sie nur an das wiederholte „pro nobis“ am Ende des „Crucifixus“. Danach erlaubte sich der Chor außergewöhnlich lange Semesterferien: Wir sangen dann 2 Sonntage nicht und überließen unserem Partnerchor, dem Consortium Musicum Wien, das Frieren.

Am 8. Februar setzen wir nun mit Haydns „Mariazellermesse“ fort. Andrés Garcia wird dirigieren und hat auch schon die Probe dafür am 27. Jänner geleitet. Er vertritt nicht einfach Andreas Pixner, sondern wurde vom Vorstand als Gastdirigent eingeladen, weil wir glauben, dass die gelegentliche Übernahme der Leitung durch andere Dirigenten das Gestaltungsspektrums des Chors erweitert. Nach Prof. Guido Mancusis Gastdirigaten im Mai wollen wir dieses Projekt „Gastdirigate“ gemeinsam mit dem Musikalischen Leiter evaluieren und überlegen, ob wir es fortsetzen oder auch ausweiten wollen.

Nach Schuberts Messe in B am Faschingssonntag gehen wir mit Michael Haydns Deutschem Hochamt in die weitgehend instrumentenlose Fastenzeit. Dieses Werk haben wir seit März 2019 nicht mehr gesungen. – Ein schöner Einstieg in die 40 Tage der Umkehr bis Ostern!

Ihr Martin Filzmaier

 

Schon jetzt zur Vormerkung ein Terminhinweis im Anschluss an den letzten Newsletter, wo wir den unerwarteten und frühen Tod von Monika Riedler bekanntgeben mussten:

Am Mittwoch, dem 4. März, 19 Uhr, wird in der Franziskanerkirche St. Pölten eine Gedenkfeier für Monika Riedler, organisiert vom Kirchenkonservatorium, wo sie eine Gesangsklasse leitete, stattfinden. Alle, die sich Monika verbunden fühlten, sind dazu herzlich eingeladen.

 

 

Sonntag, 8. Februar 2026, 10:30 Uhr:

Joseph Haydn – „Mariazellermesse“ (1782)

 

Die Missa Cellensis, Hob. XXII:8, genannt „Mariazeller Messe“, ist eine der beliebtesten Messen Haydns. Zahlreiche Abschriften der Messe zeugen von Ihrer weiten Verbreitung schon bald nach Ihrer Entstehung. Erklärbar wird diese durch den volkstümlichen Charakter der Messe, der jedoch keines

wegs mit einer als simpel zu bezeichnenden musikalischen Faktur einhergeht. Vielmehr gelang Haydn in der Mariazeller-Messe eine überzeugende Synthese zwischen den Ansprüchen autonomer Kunstmusik (die sich u. a. in polyphoner Satzweise mancher Stellen oder in vom Sonatensatz abgeleiteten formalen Gestaltungen zeigt), der ästhetischen Forderung seiner Zeit nach „Verständlichkeit“ und liturgischen Erfordernissen. So wird auch heute noch diese Messe den Hörer zu bewegen und den Sänger zu begeistern vermögen.

Dass Haydn die Messe nach dem Gnadenort Mariazell benannte, ist nicht verwunderlich, wandte er sich doch zeitlebens an die Mutter Gottes und unternahm als 18-Jähriger eine Wallfahrt nach Mariazell.

 

Die Solisten sind Cornelia Horak, Martina Steffl, Gustavo Quaresma und Markus Volpert.

Es dirigiert Andrés Garcia a.G.

 

Sonntag, 15. Februar 2026, 10:30 Uhr

Franz SCHUBERT – Messe in B-Dur, D 324 (1815)

Im Leben Franz Schuberts war 1815 eines der schaffensreichsten Jahre. Zwei Symphonien, 144 Lieder, vier Singspiele, Kammermusik, mehrere kleinere Kirchenwerke und zwei lateinische Messen waren in kürzester Zeit entstanden. Die Partitur der „Messe in G“ gibt uns Auskunft über die Schnelligkeit, mit der der 18-jährige „Lichtentaler Schulgehilfe“ komponierte. In nur sechs Tagen war ein Meisterwerk liturgischer Musik entstanden. Ende dieses Jahres (das Kyrie trägt den Vermerk „den 11. November 1815“) komponierte Schubert seine dritte lateinische Messe, die „Messe in B“. Vom Umfang und von der Instrumentierung her größer und festlicher als die G-Dur-Messe angelegt (zu den Streichern kommen zwei Oboen, zwei Fagotte, zwei Trompeten und Pauken), soll sie der Anlass, der zum Bruch zwischen Schubert und seinem alten Lehrer aus der Zeit der Hofkapelle – Antonio Salieri – geführt hat, gewesen sein. Der junge Komponist fühlte sich durch verschiedene „Verbesserungen“, die Salieri in der Messe vorgenommen hatte, einfach bevormundet.

In ihrer gesamten Anlage entfernt sich die Messe merklich von den klassischen Vorbildern. Das lyrische Moment tritt stärker als in den vorangegangenen Messen hervor. Zwar bilden Kyrie (Adagio con moto) und Gloria (Allegro moderato) das klassische Satzpaar im Stil der „Sonata chiesa“, doch kommt den Mittelsätzen im Gloria („Domine Deus“) und Credo („Et incarnatus est“) besonderes formbildendes Gewicht zu.

Äußerst knapp bemessen (nur 17 Takte) ist das Sanctus (Adagio maestoso). Die Terzengänge des Hosanna unterstreichen den volkstümlichen Charakter. Benedictus (Andante con moto) und Agnus Dei (Andante molto / Allegro moderato) sind Sätze von großer musikalischer Schönheit und lassen am ehesten die kommenden großen Messkompositionen erahnen.      

Friedrich Wolf (aus dem CD-Booklet)

Als Solisten musizieren mit uns: Nicola Proksch, Angela Riefenthaler, Gustavo Quaresma und Yasushi Hirano.

 

Zum Offertorium singt der Chor die Motette „Locus iste“ von Anton Bruckner.

 

 

Sonntag, 22. Februar 2026, 10:30 Uhr: 1. Fastensonntag

Michael HAYDN – „Deutsches Hochamt“ (1795)

„Deutsches Hochamt“ ist der Titel mehrerer deutscher Messen von Johann Michael Haydn (1737-1806), die ausdrücklich „zum Gebrauch für Stadt und Land“ (für Stadt- und Landkirchen) deklariert sind. Während drei dieser Vertonungen als Hochämter für die Aufführung durch geschulte Sänger, Chöre und Orchester vorgesehen sind, verkörpert eine weitere den Typus der „Bet-Singmesse“ für den Volkskirchengesang.

Michael Haydn vertonte mehrfach den 1777 vom Münchner Hofkammerrat Franz Seraph von Kohlbrenner (1728-1783) in seinem Landshuter Gesangbuch veröffentlichten Text „Deutsches vollständiges Hoch-Amt“. Die Messe wird meist mit der ersten Zeile des Eröffnungsliedes „Hier liegt vor deiner Majestät“ betitelt und umfasst 10 Messlieder für Chor- oder Volksgesang. Der Text ist vom Geist der Aufklärung geprägt und zum katholischen Gemeingut geworden.

1795 vertonte Michael Haydn Kohlbrenners Text zum zweiten Mal. Obwohl diese Fassung Anklänge an die Melodien von Norbert Hauner aus dem Landshuter Gesangbuch von 1777 erkennen lässt, ist sie dennoch im Wesentlichen als Neuschöpfung Haydns zu betrachten. Die Messe wird oft schlicht als „Haydn-Messe“ bezeichnet. Diese zweite Vertonung ist die wohl bekannteste. Sie ist in mehreren Regionalteilen des katholischen Kirchengesangsbuchs „Gotteslob“ ganz oder teilweise abgedruckt. Franz Schubert stützt sich in seiner Deutschen Messe auf das Vorbild Haydns.

 

 

Sonntag, 1. März 2026, 10:30 Uhr: 2. Fastensonntag

Hans Leo HAßLER (1564-1612): Missa secunda

Hans Leo Haßler von Roseneck (auch: Hassler oder Hasler, seltener Johann Leo Haslerus; getauft 26. Oktober 1564 in Nürnberg; † 8. Juni 1612 in Frankfurt am Main) war ein deutscher Komponist, Organist, Uhrmacher und Verfertiger von Musikautomaten. Haßler wird gelegentlich als wichtigster Komponist und Madrigalist seiner Zeit genannt, dessen Chorlieder „in aller Munde waren“.

Seine Eltern, der Musikus Isaac Haßler (* um 1530 in Sankt Joachimsthal, Böhmen) und Kunigunde, bildeten ihn schon früh zum Organisten aus. Später erhielt er Unterricht bei Leonhard Lechner. Ab 1584 erhielt er Unterricht bei Andrea Gabrieli in Venedig und freundete sich dort mit dessen Neffen, dem Komponisten Giovanni Gabrieli an. 1585 wurde er in Augsburg Kammerorganist des Grafen Oktavian II. von Fugger und Organist an St. Moritz; diese Position hatte er fünfzehn Jahre lang inne. 1590 erschien seine erste Sammlung „Canzonette a quatro voci“. Neben seinen anderen Tätigkeiten wurde er im Jahr 1600 für ein Jahr zusätzlich Leiter der Augsburger Stadtpfeifer.

Nach dem Tod des Grafen Oktavian ging Haßler 1601 nach Nürnberg, wo er sich in erster Linie kaufmännischen Geschäften und der Entwicklung und Herstellung von Orgelautomaten widmete. 1604 siedelt er nach Ulm über, wo er am 1. März 1605 die Kaufmannstochter Cordula Claus heiratete. Während seiner Ulmer Zeit von 1604 bis 1608 entstanden auch seine geistlichen Werke. Ab 1608 war er Kammerorganist des in Dresden residierenden Kurfürsten Christian II. von Sachsen.

Hans Leo Haßler weilte 1612 im Gefolge von Kurfürst Johann Georg I. in Frankfurt am Main, um an den Krönungsfeierlichkeiten für Kaiser Matthias teilzunehmen. Während dieses Aufenthalts starb er an Schwindsucht. Im Jahr 1595 wurde Hans Leo Haßler von Kaiser Rudolf II. zusammen mit seinen Brüdern Caspar Haßler und Jakob Haßler in den Adelsstand erhoben. 1604 erhielten sie das Adelsprädikat von Roseneck.

Haßlers Werk steht an der Stilwende von der späten Renaissance-Polyphonie zu venezianisch-frühbarocker Klangentfaltung sowie (in seinen Liedsätzen) zu schlichter, liedhafter Homophonie. Während seine Messen und Motetten meist noch dem kontrapunktisch-imitatorischen Prinzip in der Nachfolge von Orlando di Lasso und seines Lehrers Leonhard Lechner folgen, entfalten seine mehrchörigen Werke, wie beispielsweise die 15-stimmige Motette Jubilate Deo oder sein 16-stimmiges Duo Seraphim, barocke Klangpracht nach dem Vorbild der venezianischen Mehrchörigkeit. Seine Werke zeichnen sich dabei nicht nur durch kontrapunktische Gelehrsamkeit, sondern auch durch höchste Anmut und Zartheit aus. In seinen vierstimmigen Bearbeitungen der gebräuchlichen Kirchenmelodien zeigt er, wie auch das Einfachste durch charaktervolle Bearbeitung bedeutsam werden kann.

Nicht weniger geschätzt als seine geistlichen Werke (Messen, Motetten etc.) waren seine Madrigale, Kanzonetten und deutschen weltlichen Lieder, darunter das später mit dem Text „O Haupt voll Blut und Wunden“ in den protestantischen Kirchengesang aufgenommene Lied „Mein G’müt ist mir verwirret“, welches sich nebst vielen anderen in seinem „Lustgarten neuer deutscher Gesänge zu 4–8 Stimmen“ (Nürnberg 1601) findet. Vielleicht am bekanntesten ist das Madrigal „Tanzen und Springen“, dessen rhythmischer Witz eingängig wie ein Ohrwurm ist und heute in der Version der King’s Singers Verbreitung findet.

Die Missa secunda von Haßler, der uns vor allem durch seine Madrigale und Tanzlieder bekannt ist, ist ganz offenbar auf eine entsprechende Vorlage komponiert. Ihre daraus hergeleitete Thematik führt zu einem durchgängig tänzerischen Schwung, nur durch einige innigere Passagen unterbrochen. Der Tradition folgend, hat auch Haßler die Anfangsworte von Gloria und Credo nicht vertont, da diese vom Priester in gregorianischem Choral angestimmt wurden. Der Originaldruck stammt aus dem Jahre 1599.

Text aus Wikipedia