Wir beginnen das Neue Jahr in Trauer und Betroffenheit über den völlig unerwarteten frühen Tod von Prof. MMag. Monika Riedler, die unseren Chor seit Jahrzehnten als Solistin begleitet hat. Als mich am Abend des 28. Dezember die Todesnachricht von einem Sängerkollegen aus dem Vokalensemble St. Stephan erreichte, war ich tief erschüttert. Wir hatten nicht nur eine ausgezeichnete Künstlerin, sondern auch eine liebe Kollegin
verloren, die der Chorvereinigung und auch mir persönlich über so lange Zeit freundschaftlich verbunden war. In Windeseile verbreitete sich die Nachricht in der Szene, unter den Solistenkolleg*innen und auch in den anderen Chören, für die Monika eine liebgewonnene Institution in der Kirchenmusik von Wien geworden war. Nicht nur, wenn sie ohnehin „Dienst“ im Hochamt hatte, sondern auch, wenn kurzfristig eine Sopransolistin ausgefallen war, eilte sie auf Zuruf von ihrer Innenstadtwohnung Sonntag in der Früh zu einer der Kirchen, wo sie kurzfristig einsprang und so die Musik im Hochamt rettete. Es konnte schon einmal vorkommen, dass sie, die eigentlich als Solistin engagiert war, sich bei der kurzen Probe vor dem Hochamt ans Klavier setzte, weil gerade der Korrepetitor ausgefallen war, und den Chor und sich selbst begleitete. „Vollblutmusikerin“ ist der Begriff, der mir künstlerisch sofort zu ihr einfällt. Ihre beständige Liebenswürdigkeit und Herzlichkeit stand im Zentrum aller spontanen Reaktionen auf die Todesnachricht nicht nur in der Chorvereinigung.
Vor wenigen Wochen hatte ich Monika angeboten, sich in die Vorstandsarbeit einzubringen – worauf sie sehr positiv reagierte, weil ihr Bestand und Weiterentwicklung der Chorvereinigung immer ein wichtiges Anliegen war. Sie erbat sich wegen ihrer starken beruflichen Belastung aber noch ein Jahr, bevor sie uns mehr Zeit widmen würde können. – Dazu kommt es nun nicht mehr.
Monika Riedler hat die Krönungsmesse dutzende Male mit uns gesungen. Wir widmen ihr und ihrem Andenken die Aufführung am 6. Jänner.
Vor einiger Zeit hat Monika den „Leitartikel“ zu unserem damaligen Semesterprogramm verfasst. Diesen möchte ich hier unter meinem Vorwort zitieren und somit Monika das letzte Wort geben.
Ihr tief bewegter Martin Filzmaier
Sonntag Vormittag
Von Monika Riedler
In flotterem Schritt geht es morgens zur Jesuitenkirche. Die Pracht des Platzes liegt ruhig vor einem. Die ersten Schritte in der stillen Kirche bringen einen jedes Mal wieder zum Staunen ob all der Schönheit des Kirchenraums. Der neue Probenraum liegt im ersten Stock. Um halb zehn wird dort der letzte Schliff an den Gesang angelegt, der später im Gottesdienst erklingt.
Viele SängerInnen singen schon lange in der Chorvereinigung St. Augustin, das dortige Zusammentreffen ist stets auch sehr herzlich. Die SolistInnen haben in der Regel eine lange Verbundenheit zum Chor und zur Kirchenmusik. Alle MusikerInnen, die hier zusammenkommen, kennen die Musik der aufgeführten Mozart-, Haydn- und Schubert-Messen sehr gut. Jeder kommt topvorbereitet in diese letzte Probe vor dem Gottesdienst – das ist die Grundlage dafür, dass SolistInnen, ChoristInnen und OrchestermusikerInnen in kurzer Zeit und mit intensiver Konzentration zum großen Ganzen zusammengefügt werden können.
Höchstpünktlich startet Chorleiter Andreas Pixner mit dem Einsingen des Chores. Die Übungen sind alle fein aufeinander abgestimmt, es ist immer eine Freude mitzumachen. Das Einsingen ist eine dringende Notwendigkeit, kaum jemand im städtischen Wohnraum kann sich um acht Uhr morgens in der eigenen Wohnung laut einsingen. Allmählich verändert sich die Stimme von schwer und tendenziell spitz in Richtung elastisch und rund. Bis zum Beginn der Liturgie wird noch eine weitere Stunde vergehen. Ja, morgens hilft wirklich jede einzelne Stunde, damit die Stimme wacher wird.
Zügig werden die einzelnen Messteile durchgesungen, einzelne Passagen zur Steigerung der klanglichen Brillanz wiederholt, Übergänge extra geprobt. SolistInnen und ChorsängerInnen feilen gemeinsam mit dem Dirigenten am optimalen Ausdruck, das Orchester hat meist nur eine kurze gemeinsame Anspielprobe für einzelne Passagen und Übergänge. Die hier spielenden InstrumentalistInnen sind allesamt exzellente MusikerInnen. Ihre Professionalität ermöglicht diese musikalischen Spitzenleistungen, die gemeinsam mit dem Gesang der Chorvereinigung hörbar werden.
Gemeinsam finden wir uns
um halb elf in der barocken Prachtkirche ein. Die MessbesucherInnen feiern die Messe in den Kirchenbänken mit, der Priester zelebriert die Messe im Altarraum. Das Orchester und die SängerInnen feiern und musizieren ebenfalls vorne im Altarraum. Die Musik öffnet Wege zum Gottesverständnis, die weit über verbale Möglichkeiten hinausreichen. Wenn diese Messfeiern, begleitet von der herrlichsten klassischen Musik mit SängerInnen und InstrumentalistInnen, alle Anwesenden daran erinnern, dass jede und jeder von uns Menschen göttlichen Funken in sich trägt, dann hat sich alles Üben, früh Aufstehen und Proben gelohnt.
Die letzte Messe mit Monika am 9.11.2025: Große Credomesse von Mozart (Foto: ©Martina Steffl)
v.l.n.r.: Yasushi Hirano, Daniel Johannsen, Martina Steffl, Monika Riedler, Andreas Pixner.
Dienstag, 6. Jänner 2026, 10:30 Uhr: Dreikönigstag
W. A. MOZART – „Krönungsmesse“ Missa solemnis in C-Dur KV 317 (1779)
Gewidmet unserer am 28. Dezember verstorbenen Solistin Monika Riedler
Im Januar 1779 kehrte Mozart nach Salzburg zurück, da ihm der Erzbischof Hieronymus Colloredo die Organistenstelle im Dom zusprach, weil sein Vorgänger Cajetan Adlgasser an einem Schlaganfall während des Orgelspiels starb (sein Vater Leopold berichtete darüber). Allerdings stellte Mozart einige Forderungen: So z. B. sollte es ihm erlaubt sein, alle zwei Jahre zu verreisen, weil sein großes Talent (wie er selbst sagt) sonst verloren ginge. Da er aber vor allem als Orgelspieler eingestellt worden war, forderte er weiterhin, dass er vom Klavier aus dirigieren und Arien begleiten dürfe. Auch diese Bedingungen wurden erfüllt. Seine Hauptaufgabe waren der Dom, der Hof und das Kapellhaus; er sollte aber auch neue Kompositionen entwickeln. Da es ihm nicht möglich war, Opern zu schreiben, komponierte er die beiden C-Dur-Messen KV 317 und 337 (Krönungsmesse, Missa solemnis)
Die Krönungsmesse KV 317 wurde am 23. März 1779 vollendet (also kurz nach seiner Anstellung). Der Anlass blieb lange Zeit unklar: Zunächst vermutete man, dass das Werk für die Wallfahrtskirche Maria Plain im Norden der Residenzstadt geschrieben wurde; später fand man aber heraus, dass es wie die Missa solemnis für Salzburg komponiert worden war. Beide Messen sind Kirchenwerke für Streicher und Bläserensemble und enthalten den vollständigen Messtext.
Mozarts Werke mussten für den Fürsten „interessant“ sein und für bestimmte Anlässe komponiert werden (z.B. Ostern). Am 4. April 1779 wurde die Krönungsmesse gespielt; im Jahr darauf vollendete Mozart die Missa solemnis, wiederum zu Ostern. 1781 komponierte er aber keine weitere Messe, weil er Karneval in München verbrachte (Idomeneo) und direkt von Colloredo nach Wien gerufen wurde. Am 15. April zerstritt er sich mit ihm und wurde am 10. Mai seines Amtes enthoben.
Die beiden Messen sind liturgisch gesehen identisch. Weiterhin haben auch seine Kirchensonaten viel mit der Missa solemnis gemeinsam, z.B. die Tonart C-Dur und die ähnliche musikalische Besetzung. Man kann also sagen, dass Mozart in den Jahren 1779/1780 pro Jahr eine Messe, eine Kirchensonate und Zyklen von Vesperpsalmen schrieb.
Er hatte diesbezüglich wahrscheinlich eine Vorgabe des Fürsten, da er das von ihm gewünschte Programm weder unter- noch überschritt. Seine Messen stehen auch in Beziehung mit seinen Wiener Werken: Die Arie der Gräfin, die den zweiten Akt von „Le nozze di Figaro“ eröffnet, hat den gleichen melodischen Anfang wie das Agnus Dei. Außerdem hat die Gräfin-Arie im dritten Akt dasselbe Motiv wie das Agnus Dei der Krönungsmesse. Einziger Unterschied sind die Taktveränderung und die Tonart (eine Quinte höher). Die Elemente der Messe tauchen auch in der Oper auf.
1792 wurde die Krönungsmesse zur Krönung Franz II., des letzten röm.-deutschen Kaisers, aufgeführt. Weiterhin gab es offenbar Abschriften, sodass sie auch 1791 (für Leopold II., böhmischer König in Prag) gespielt wurde. Erstaunlich ist, dass Mozart seine Messe nie selbst als „Krönungsmesse“ bezeichnete, sondern dass diese erst später diesen Namen erhielt. In dieser Zeit komponierte er auch Klavierkonzerte (KV 459 und 537), die am Rande der Krönung von Leopold II. aufgeführt wurden. Diese erhielten den Namen „Krönungskonzerte“.
Text aus dem Internet, Autor unbekannt.
Die Solisten sind Cornelia Horak, Martina Steffl, Franz Gürtelschmied und Markus Volpert.
Zum Offertorium singt der Chor „Ich steh an deiner Krippen hier“ von J. S. Bach.
Zum Auszug singt der Chor unsere 4-stimmige Fassung von „Stille Nacht, heilige Nacht“.
Es dirigert Michal Kucharko a.G.
Sonntag, 11. Jänner 2026, 10:30 Uhr
W. A. MOZART: „Piccolominimesse“, KV 258
Zur Unterscheidung der Messen gleicher Tonart haben zum Teil schon die Mitglieder der Mozartfamilie Namen eingeführt, die sich meist auf Anlass oder Ort der Entstehung bezogen. Durch die Drucklegung zahlreicher Messen bestand auch im 19. Jahrhundert bis zur Einführung des Köchel-Verzeichnisses im Jahr 1862 die Notwendigkeit zusätzlicher Attribute; diese bezogen sich dann meist auf äußere Kennzeichen der Kompositionen. Doch ist nicht für alle Werke die Herkunft der Namen bekannt. Nur die Messen, die erstmals durch die so genannte Alte Gesamtausgabe ab 1877 bekannt geworden sind, blieben meist ohne Bezeichnung. Missa in C KV 258 „Spaur-Messe“ oder „Piccolomini
-Messe“ – die Herkunft des Namens „Piccolomini-Messe“ ist ungeklärt und scheint eher auf eine scherzhafte Verballhornung der Kürze des Werkes als auf das gleichnamige Geschlecht in Siena zurückzugehen. Die Bezeichnung „Spaur-Messe“ bezieht sich auf die Ordination (Priesterweihe) des Grafen Joseph von Spaur am 17. November 1776, doch liegt möglicherweise eine Verwechslung mit KV 262 vor.
Die Messe wurde für eines der Hochämter zum Weihnachtsfest des Jahres 1775 komponiert, auch wenn das besonders knappe, nur viertaktige „Et incarnatus“ dies gar nicht zu bestätigen scheint. Aus der Art, wie das mächtige Unisono des „Descendit de coelis“ und des „Et resurrexit“ das Adagio des „Et incarnatus“ flankiert – spricht eine besondere musikalische Deutung der Menschwerdung Gottes. Auch aus dem Benedictus kann man eine besondere Interpretation des biblischen Weihnachtsberichtes heraushören. Mozart schrieb in dieser Messe abseits aller Konventionen ein jubelndes Benedictus. Wohl keine andere Messe lässt so viel über Mozarts religiöse und theologische Überlegungen bei der Komposition des Messtextes spekulieren wie diese – allerdings erst, seit wir wissen, dass sie 1775 im Hinblick auf das Weihnachtsfest komponiert wurde.
(Text aus dem Internet, Autor unbekannt.)
Als Solisten musizieren mit uns: Cornelia Horak, Martina Steffl, Gernot Heinrich und Markus Volpert.
Sonntag, 18. Jänner 2026, 10:30 Uhr
Joseph HAYDN, „Nelsonmesse“ (1798) – Missa in angustiis in d-Moll, Hob. XXII:11
Durch einen Vermerk auf dem Autograph kann die Komposition der Nelsonmesse in den Zeitraum zwischen 10. Juli und 31. August 1798 datiert werden. Griesinger berichtet, Haydn habe die Messe in einem Monat geschrieben, weil er damals „Krankheits halber nicht ausgehen konnte“. Am 23. September 1798 erfolgte die Uraufführung in Eisenstadt.
In Haydns Entwurfkatalog wird das Werk als „Missa in angustiis“ (Messe in Zeiten der Bedrängnis) bezeichnet. Der Name bezieht sich vermutlich auf die herannahende napoleonische Bedrohung. Diese Deutung scheint wahrscheinlicher als der Versuch, die Namengebung auf die angegriffene Gesundheit Haydns zu beziehen. Der geläufige Name Nelsonmesse wird mit dem Besuch des englischen Admirals Lord Nelson in Eisenstadt im September 1800 in Verbindung gebracht, zu welchem Anlass die Messe erklungen ist. Die These, Lord Nelson habe als siegreicher Kriegsheld die Komposition angeregt, ist unwahrscheinlich. Für die auffälligen Militärsignale der Trompeten und Pauken, die die ungewöhnliche Benedictus-Vertonung bestimmen, findet sich eine zeitgenössische Erklärung: während der Komposition des Satzes habe Fürst Esterhazy die Nachricht bekommen, dass Lord Nelson die Franzosen besiegt hat, „von jetzt an habe er (Haydn) das Bild eines blasenden Kouriers nicht aus seiner Phantasie verdrängen können“.
Durch die Tonart d-Moll, eine ungewöhnliche Tonart für eine „Missa solemnis“, vermittelt das Kyrie, wie die anderen Sätze in dieser Tonart, einen ernsthaft strengen, beinahe furchteinflößenden Charakter, der von der Instrumentierung mit tiefen Trompetenstößen noch verstärkt wird. Dem gegenüber stehen die jubilierenden D-Dur Sätze von Gloria und Sanctus. Der erste Credo-Teil stellt Haydns kontrapunktische Meisterschaft unter Beweis: der liturgische Text wird als zweistimmiger Kanon in der Unterquint für zwei oktavierende Stimmpaare (Sopran/Tenor und Alt/Bass) vertont und im Autograph ausdrücklich mit „in canone“ überschrieben. Die überaus virtuose Fuge über das „Dona nobis“ ist eine der individuellsten Chorfugen Haydns.
Unter den späten Messen kommt die Nelsonmesse mit der sparsamsten Orchesterbesetzung aus. Die originale Instrumentierung mit Streichern, drei Trompeten, Pauken und Orgel ist ungewohnt klein. Grund dafür mag sein, dass Fürst Nikolaus II. vorübergehend die „Spieler der blasenden Musik verabschiedet“ hat. Haydn beschränkte sich deshalb auf die im Dienst verbliebenen Trompeten und Pauken und machte „den Verlust der anderen Blasinstrumente“ durch „eine obligate Orgelbegleitung und einen besonders reichen Streichersatz wett“. Die von Haydn autorisierte spätere Hinzufügung von Holzbläsern und Hörnern, denen die obligate Orgelstimme zu Grunde liegt, erstellte J. N. Fuchs, Haydns Nachfolger in Esterházy. Im Gegensatz zu den anderen späten Messen Haydns traf die Nelsonmesse nie der Vorwurf einer mangelnden kirchlichen Würde.
(Text aus dem Internet, Autor unbekannt)
Als Solisten wirken mit: Cornelia Horak, Kathrin Auzinger, Gernot Heinrich, Yasushi Hirano
Zum Offertorium singt der Chor „Du bist’s, dem Ruhm und Ehre gebühret“ von Joseph Haydn. Aus dem Danklied zu Gott, Hob.XXVc:8, komponiert 1796-99, Librettist Christian Fürchtegott Gellert (1715-1769).
Nach der Nelsonmesse gönnt sich die Chorvereinigung – erstmals – 2 singfreie Sonntage, wo unser Partnerchor, das Consortium Musicum Wien, die Gestaltung der Hochämter übernehmen wird.



