Gleich zu Beginn des Juni, am Fronleichnamstag, singen wir nach langer Zeit wieder Mozarts c-Moll-Messe. Das Werk ist unvollständig, muss bei liturgischer Aufführung durch gebetete Teile ergänzt werden, und doch ist diese Musik so grandios, dass sie nicht dem Konzertsaal vorbehalten bleiben sollte. „Mozart at his best“, ungebunden durch Vorgaben seines erzbischöflichen Dienstherrn – man bekommt eine Ahnung, was musikalisch schon zu seiner Zeit möglich gewesen wäre, hätten nicht Konventionen und pragmatistische Vorgaben Mozarts Schaffen eingeengt.
Mit der Krönungsmesse am Sonntag darauf und einem „spielfreien“ Sonntag (14.) macht der Chor sozusagen eine Verschnaufpause zwischen den probenintensiven Juni-Hochämtern. Das äußerst populäre Werk kann beinahe ohne Probenaufwand dennoch in gewohnter Qualität aufgeführt werden.
Schuberts Große Messe in Es bedarf keiner weiteren Kommentierung. Ich habe an anderer Stelle ausführlich dazu geschrieben. Dieses abgründig-herrliche Werk des als „Liederfürst“ verniedlichten Franz Schubert gehört zum Kernrepertoire der Chorvereinigung. Wir singen es mit einer Luxus-Besetzung und nützen die Gelegenheit, wenn wir schon Daniel Johannsen bei uns zu haben, ihm auch noch die Darbietung der Motette „Intende Voci“ zu ermöglichen, die inmitten der ohnehin schon überlangen Es-Dur-Messe den „normalen“ liturgischen Rahmen durch ihre Länge vollends sprengt.
Und weil es an dem Tag ohnehin schon egal ist, und wir vor 12:30 kaum fertig sein werden, lädt die Chorvereinigung im Anschluss an das Hochamt wieder zu einer Agape am Campus. Diese ist einerseits für alle Messbesucher Gelegenheit, die Mitwirkenden zu treffen, und andererseits auch Gelegenheit, uns bei jenen für ihren treuen Besuch und ihre wertvolle Unterstützung zu bedanken. Eigentlich findet diese Agape immer an unserem letzten Sonntag der Saison statt. Wir haben sie vorgezogen, weil die Schubert-Messe eine weit größere Orchesterbesetzung erfordert, und weil wir auch möglichst viele unserer Orchestermusiker*innen bei diesem kleinen Abschlussfest dabei haben wollen.
21. Juni: Es gibt Brot, Wein, Wasser, und was hilfreiche Hände sonst noch so mitbringen. Wie Gustav Schörghofer immer sagt: Herzlich eingeladen!
Damit ist aber diesmal unsere Saison noch nicht beendet: am letzten Sonntag im Juni singen wir noch Haydns Theresienmesse – schon in Vorbereitung und Vorfreude auf unsere Chorreise nach Utrecht:
Haydn – Theresiënmesse – Pieterskerkconcerten
In der Pieterskerk von Utrecht finden laufend Konzerte mit großartigen Ensembles statt. Wir freuen uns darauf, dort die Tradition Wiener Kirchenmusik präsentieren zu dürfen. Unser von dort stammender Basskollege Cornelius Goos, viele werden ihn kennen, hat diese Chorreise für uns eingefädelt. – Wir werden im nächsten Newsletter davon berichten.
Damit darf ich uns für diese Saison (was den Newsletter betrifft) abmelden und Ihnen schon jetzt einen schönen, erholsamen Sommer wünschen.
Martin Filzmaier
Donnerstag, 4. Juni 2025, 10:30 Uhr: Fronleichnam
W.A. MOZART: Große Messe in c-Moll, KV 427
Ein Grund für Mozarts Besuch in Salzburg 1783 hing mit seiner größten Kirchenmusikkomposition zusammen – einer Votivmesse für Constanze. Die genauen Umstände liegen im Dunkeln. In einem Brief erwähnt Mozart eine nicht näher bezeichnete Krankheit Constanzes; ihre Genesung habe er zum Anlass genommen, diese Messe zu schreiben, wohingegen es in der Nissen-Biographie heißt, mit dem Werk sei die glücklich überstandene Geburt des ersten Kindes gefeiert worden. Vielleicht sollte die Messe auch einfach ihre Ehe besiegeln, die nach allen vorangegangenen Schwierigkeiten zu guter Letzt doch noch geschlossen worden war.
Im Zusammenhang mit Gottfried Baron van Swietens Sonntagskonzerten hatte sich Mozart intensiv mit Fugen beschäftigt, und Constanzes Interesse an den Werken dieser Musikgattung von Händel und J. S. Bach regte ihn zu einigen großartigen Präludien und Fugen an. Somit haben wir eine einleuchtende Erklärung für die Fugen am Schluss des Glorias („Cum sancto spiritu“) und des Sanctus („Osanna in excelsis“).
Das Kyrie beginnt in stolzem, erhabenen c-Moll und moduliert dann zum Mittelteil („Christe eleison“) hin in die Paralleltonart Es-Dur. Das „Christe“, ein langes, leidenschaftliches Sopransolo, war für Constanze vorgesehen (die es bei der Uraufführung dann auch wirklich sang).
Da Mozart diesmal nicht auf die Form festgelegt war, wie sie Erzbischof Colloredo erwartet hätte – das heißt vor allem: kurz und keine Fugen -, konnte er seiner Phantasie freien Lauf lassen. Ihm schwebte offensichtlich eine Art Abriss aller möglichen verschiedenen Stile vor – daher stellte er deutsche Fugen und Arien in italienischer Manier („Laudamus te“) nebeneinander. Der vielleicht einfallsreichste und unkonventionellste Satz ist das „Qui tollis“, in dem ein Doppelchor (achtstimmig) auftritt (er ist später noch einmal im Sanctus eingesetzt). In diesem Largo (instrumental verstärkt durch drei Posaunen) finden wir die sequenzierende, ostinato-artige rhythmische Bewegung mit doppelter Punktierung, die man von der Barocktradition her gut kennt. Die Musik bietet sich uns machtvoll dar – wie ein Zug von Büßern, die in dumpfer Verzweiflung zum Kreuze hin drängt (Hermann Albert). Mozart hatte ganz feste Vorstellungen von Kirchenmusik: Sie müsse naturgemäß konservativ sein. Die c-Moll-Messe bildet die Krönung seines kirchenmusikalischen Schaffens und bleibt bis 1791 unerreicht, bis zu dem wunderschönen „Ave, verum corpus“ und zum Requiem.
Man weiß nicht genau, wie weit Mozart mit der Messe vorangekommen war, als er sie mit nach Salzburg nahm, um sie dort zur Aufführung zu bringen. Wahrscheinlich war sie, wie er selbst schrieb, halb fertig (Kyrie und Gloria). Das Credo blieb unvollendet, das Agnus Dei wurde überhaupt nie geschrieben. Die Messe konnte kaum in dem Dom aufgeführt werden, in dem Erzbischof Colloredo das Sagen hatte; aber es gab eine gleich große Stätte, mit der die Mozarts seit langem freundschaftliche Beziehungen unterhielten – das Benediktinerstift Sankt Peter. Die einzige Information über die Uraufführung der Messe enthält Nannerls Tagebuch: „…den 23. Oktober … bey der prob von der mess, meines bruders. Bey welcher meine schwägerin die Solo singt … den 26. Zu st peter in amt mein bruder sein amt gemacht worden. Die ganze hofmusik war dabey.“
Zum Glück sind Bruchstücke des Notenmaterials für die Uraufführung erhalten, und aus ihnen können wir ersehen: 1. Dass Kyrie, Gloria, Sanctus und Benedictus gespielt wurden und 2. Dass die Stimmen – vorhanden sind die für Orgel, erste, zweite und dritte Posaune – von c-Moll in die anfänglich schwierigere Tonart b-Moll transponiert worden sind. Vielleicht sollte mit dieser ungewöhnlichen Umänderung die Sopranstimme (für Constanze), die ja sehr hoch und sehr schwierig ist, in eine weniger exponierte Lage gesetzt werden. Vielleicht stand man aber auch vor irgendeinem anderen technischen Problem, von dem wir heute keine Kenntnis mehr haben.
Nun ergab es sich, dass die Salzburger Peterskirche wie jedes Jahr am 26. Oktober das Fest des heiligen Amandus mit viel Prunk und einem besonderen liturgischen Ablauf beging. Zum Beispiel wurde meistens das ganze Credo ausgelassen – genau der Teil also, den Mozart in der Messe nicht vollendet hatte (und der in dem zwar nicht aufgeführten aber fast fertiggestellten „Et incarnatus est“ das schwierigste Sopransolo des ganzen Werkes enthält). Wir werden den Ablauf der Messe nie erfahren, doch möglicherweise ließ man das Credo ausfallen, oder man bot es einfach in gregorianischem Gesang dar (wie vielleicht auch das fehlende Agnus?).
Der Chor der Peterskirche setzte sich aus zehn Knaben und Männern zusammen, eventuell ergänzt durch die gleiche Anzahl von Instrumentalisten. Das Instrumentalensemble hatte weder Fagottisten noch Posaunisten; solche holte sich Mozart wahrscheinlich aus dem Hoforchester oder vom „Stadtthurnermeister“ und seinen Schülern. Laut Nannerl nahm die ganze Hofmusik teil, das heißt, die zweite Solosopranstimme, die genauso schwer war wie die erste, könnte von einem der mit der Familie befreundeten Kastraten gesungen worden sein, Francesco Ceccarelli oder Michelangelo Bologna, und der Tenorpart vom befreundeten Giuseppe Tomaselli. Das (anspruchslose) Basssolo im Benedictus hätte jeder gute Bassist aus dem Chor singen können. Vermutlich spielte Mozart entweder Orgel, oder er dirigierte (vom Pult der ersten Geige aus?).
Als Mozart im Jänner 1785 von einer Reise zurückgekommen war, ist von ihm bei seiner Ankunft in Wien ein Werk im Oratorienstil verlangt worden. Da die Zeit nicht reichte, ein völlig neues Stück zu schreiben, verwendete er den größeren Teil der c-Moll-Messe. Der Dichter Da Ponte schrieb einen neuen Text und Mozart fügte zwei neue Solonummern hinzu, um das bestellte Werk zu vollenden, die Kantate „Davidde penitente“ KV 469.
Zitiert aus „Mozart – Die Wiener Jahre“ von H.C.Robbins Landon.
Als Solisten wirken mit: Cornelia Horak, Katrin Auzinger, Gernot Heinrich und Yasushi Hirano.
Zum Offertorium sing der Chor das Graduale zum Fronleichnamsfest „Ave verum“ von Mozart.
CD-Tipp: Diese Motette von Mozart finden Sie auf der CD „Mozart Krönungsmesse + Missa solemnis“
Sonntag, 7. Juni 2025, 10:30 Uhr:
W.A. MOZART: Krönungsmesse KV 317 (1779)
Unter den in Salzburg entstandenen geistlichen Kompositionen Wolfgang Amadeus Mozarts hat vermutlich keine einen so großen Bekanntheits- und Beliebtheitsgrad erreicht wie die Missa in C KV 317, für die sich schon im 19. Jahrhundert der Name „Krönungsmesse“ einbürgerte. (Obwohl die Datierung des Autographs auf März 1779 eindeutig auf den Entstehungsanlass der Messe schließen lässt, wird mancherorts noch immer an der erst in unserem Jahrhundert aufgekommenen Legende festgehalten, Mozart habe das Werk für den Jahresfesttag der Krönung des Maria Plainer Gnadenbildes geschaffen, für das Salzburgs berühmteste Wallfahrtskirche im 17. Jahrhundert erbaut worden war.)
Nachdem Mozart im Januar 1779 die sechzehn Monate zuvor voller Erwartung angetretene Reise nach Paris mit der Rückkehr nach Salzburg tief enttäuscht beenden musste und Vater Leopold ihn mit einem bereits abgefassten Gesuch an den Salzburger Erzbischof Hieronymus Graf Colloredo um Dekretierung als Hoforganist empfing, fügte sich Mozart für die folgenden knapp zweieinhalb Jahre dem väterlichen Willen und versah am Salzburger „Bettelhof“ einen Dienst, der sich einerseits auf das geistliche Zentrum, die Domkirche, und andererseits auf die Verpflichtungen bei Hof erstreckte, wobei beide Bereiche auf Repräsentation ausgerichtet und vom Kunstverständnis des Landesfürsten bestimmt waren. Wenn auch keine Dokumente aus diesen Jahren über Vorfälle im einzelnen Aufschluss geben, in die Mozart involviert gewesen wäre, so lässt sich dennoch aus den brieflichen Äußerungen und Ereignissen, die im Juni 1781 in Wien zum Abschied vom Salzburger Hofdienst führten, die zunehmende Unzufriedenheit Mozarts mit den Salzburger Verhältnissen erahnen. Vor allem des Erzbischofs Gleichgültigkeit, Desinteresse und Unvermögen „mit leuten von talenten um zu gehen“ enttäuschten Mozart und ließen zuletzt sogar wirkliche Abscheu aufkommen, die in den oft zitierten brieflichen Äußerungen ihren Ausdruck fand: „ich will nichts mehr von Salzburg wissen – ich hasse den Erzbischof bis zur raserey.“
Gerade dieser Erzbischof war es jedoch gewesen, der wenige Jahre zuvor, im Januar 1779, Mozarts Wiederanstellung abgesegnet hatte. Im Gegenzug für eine Aufbesserung seines Gehalts um das Dreifache forderte er von Mozart, dass er wie sein Vorgänger „seine aufhabende[n] Verrichtungen sowohl in dem Dom, als bey Hof, und in dem Kapellhauß mit embsigen Fleis ohnklagbar versehe, auch den Hof, und die Kirche nach Möglichkeit mit neuen von Ihm verfertigten Kompositionen bedienne.“ Dieser Verpflichtung dürfte Mozart mit der Messe KV 317 zum erstmöglichen Termin auch nachgekommen sein. Für den 4. April 1779, dem Ostersonntag, an dem der Erzbischof gewöhnlich selbst pontifizierte, präsentierte Mozart seine erste Komposition, die diesen Vertragsbedingungen entsprach. Seine Datierung der autographen Partitur mit „23 di marzo 1779“ deutet darauf hin. Vermutlich hatte Leopold Mozart, dem als Vizekapellmeister in diesen Jahren allein die Leitung der Hofmusik oblag, den Sohn sehr nachdrücklich an dessen Dienstpflichten zu erinnern gewusst.
Die Struktur der Messe entspricht dem vor allem von Erzbischof Hieronymus bevorzugten Typus der „Missa solemnis et brevis“, die sich in ihrer reichen Bläserbesetzung der „Missa solemnis“, in der zeitlichen Ausdehnung aber der „Missa brevis“ annähert. Mozart selbst hat diesen Messtypus in einer brieflichen Mitteilung vom 4. September 1776 an P. Martini sehr präzis beschrieben: „Unsere Kirchenmusik ist von der in Italien sehr verschieden, umso mehr, da eine Messe mit Kyrie, Gloria, Credo, der Epistel-Sonate, dem Offertorium oder Motetto, Sanctus und Agnus Dei, auch an den grössten Festen, wenn der Fürst selbst die Messe liest, nicht länger als höchstens drey Viertelstunden dauern darf. Da braucht man für diese Art Composition ein besonderes Studium, und doch muss es eine Meße mit allen Instrumenten seyn, auch mit Kriegstrompeten!“ Ein weiteres unverkennbares Merkmal dieses Typus von Messkompositionen ist das Fehlen ausgedehnter Schlussfugen zu Gloria und Credo.
Dass Mozart Jahre später bei der Komposition von „Le Nozze di Figaro“ in der Arie der Gräfin „Dove sono i bei momenti“, in der diese die verschwundenen „schönen Augenblicke von Süße und Freude“ beklagt, in einem musikalischen Selbstzitat auf das Agnus Dei der „Krönungsmesse“ zurückgriff, beweist nicht nur, welchen Stellenwert Mozart selbst dieser Komposition zumaß, sondern auch, dass Spannungsfelder zwischen geistlicher und weltlicher Musik wie im 19. Jahrhundert noch nicht bestanden. Für Mozart bildeten die geistliche und weltliche Formensprache weitgehend noch eine Einheit.
(Text aus dem Internet, Autor unbekannt.)
Zum Offertorium hören Sie „Laudate Dominum“ von Mozart.
Das „Laudate Dominum“ aus Mozarts „Vesperae solennes de confessore“, KV 339 (1780), gehört mit seinem schwebenden Klangzauber, seiner berückenden Kantabilität und Poesie zum schönsten Mozartscher Vokalkunst. Diese Vesper-Komposition war das letzte Werk, das er für seinen wenig geschätzten Auftraggeber, den Erzbischof von Salzburg, komponiert hat, bevor er sich als freischaffender Komponist in Wien niederließ. Der daraus entnommene wunderschöne Satz „Laudate Dominum“ wird auch oft allein aufgeführt.
Laudate Dominum, omnes gentes; laudate eum, omnes populi. Quoniam confirmata est super nos misericordia ejus, et veritas Domini manet in aeternum.
Gloria Patri et Filio et Spiritui Sancto, sicut erat in principio et nunc et semper et in saecula saeculorum, amen.
Lobet den Herrn, alle Heiden; preiset ihn, alle Völker! Denn seine Gnade und Wahrheit waltet über uns in Ewigkeit.
Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist, wie im Anfang, so auch jetzt und alle Zeit und in Ewigkeit. Amen.
CD-Tipp: Diese Motette von Mozart finden Sie auf der CD „Mozart Krönungsmesse + Missa solemnis“
Sonntag, 21. Juni 2025, 10:30 Uhr: Franz SCHUBERT – Große Messe in Es-Dur
Franz Schubert komponierte in seinem Leben zahlreiche geistliche Werke, erste liturgische Gesänge bereits mit 12 Jahren. Unter diesen geistlichen Werken befinden sich auch sechs lateinische Messen. Er ist damit der erste große Messkomponist, der in der „bürgerlichen Tradition“ steht, das heißt, seine Messen nicht mehr nur für den Gebrauch bei Hofe schrieb, sondern für die Aufführung in Gemeindekirchen durch den Kirchenchor.
Die Große Messe in Es-Dur D 950 entstand im Juni und Juli des letzten Lebensjahres Schuberts (1828). Wie viele andere seiner großen Spätwerke (C-Dur-Sinfonie, Winterreise, …) hat Schubert sie nie gehört. Schubert soll über das Werk gesagt haben, er habe „das Höchste in der Kunst“ angestrebt. Die Uraufführung fand am 4. Oktober 1829 in der Pfarrkirche „Heilige Dreifaltigkeit“ in Wien statt, in der Schuberts Freund Michael Leitermeyer Kapellmeister war. Das Publikum fand großen Gefallen daran und sie wurde mehrmals wiederholt.
Die Es-Dur-Messe ist Schuberts längste und größte Messe, auch was die Besetzung betrifft. So tritt zu den üblichen vier Vokalsolisten ein zweiter Tenor hinzu, außerdem verlangt Schubert 2 Hörner, 3 Trompeten, sowie 3 Posaunen. Es wechseln während des gesamten Werkes immer wieder homophone mit polyphonen Abschnitten, oft gibt es Zwischenspiele und ein großes Gewicht liegt auf den Fugen im Gloria und im Credo. Die Messe dauert ca. 50 Minuten.
Eine ausgesprochene „Chormesse“ ist Schuberts Messe in Es-Dur. Im Schaffen Schuberts stellt die Messe zweifellos einen absoluten Höhepunkt dar. Chor und Blechbläser dominieren. Auf die Orgel wird verzichtet, die Solisten werden nur an exponierten Stellen im Credo (Et incarnatus), im Benedictus und Agnus Dei (Dona nobis pacem) eingesetzt. Polyphones Gestalten steht im Vordergrund (Fugen im Gloria, Credo, Hosanna, Agnus). Barocke Thematik und spätromantische Harmonik bewirken großartige Steigerungen. Im Sanctus werden innerhalb weniger Takte vier Tonarten (Es-Dur, h-Moll, g-Moll, es-Moll) erreicht. Dem verhaltenen, fast ängstlichen Orchestervorspiel des Kyrie stellt Schubert ein herbes, kraftvolles „Gloria in excelsis Deo“ des Chores (a-capella) gegenüber. Das lapidare Thema des „Domine Jesu“ wird im Agnus in kontrapunktisch großartiger Weise verarbeitet. Liedhaft beginnt das „Dona nobis pacem“ und läßt an das Kyrie denken. Doch aus dem zaghaften „Herr erbarme Dich unser“ wird ein zuversichtliches „Gib uns Deinen Frieden“.
(Friedrich Wolf aus der LP-Aufnahme von 1979)
Solistinnen und Solisten: Cornelia Horak, Angela Riefenthaler, Daniel Johannsen (Tenor 1), Sebastian Burgos (Tenor 2) und Yasushi Hirano.
Zum Offertorium präsentieren wir Schuberts späte Motette für Chor und Tenorsolo „Intende voci“, D 963. Schubert schrieb das Stück im Oktober 1828 als „Aria con Coro“ zusammen mit einem „Tantum ergo“. Vermutlich handelt es sich um eine der letzten Kompositionen des Meisters, wenn nicht gar um die letzte. Der äußere Anlass ist auch hier unbekannt, stehen Umfang und Besetzungsaufwand doch im seltsamen Missverhältnis zur liturgischen Ortung des Textes, der zur Messe des Freitags nach dem 3. Fastensonntag gehörte, also einem gewöhnlichen Werktag in einer Zeit des Kirchenjahres, da Instrumentalmusik aus der Liturgie verbannt war. Das großartige, festfreudige Stück lässt den Meister der Es-Dur-Messe erkennen. Nach einem Orchestervorspiel, in welchem die 0boe die führende Rolle spielt, setzt der Solotenor in ariosem Überschwang ein, mit dem später einfallenden Chor ständig dialogisierend. Das Ganze trägt mehr festlichen als dem Text entsprechenden flehenden Charakter.
Text: Alfred Beaujean im Booklet der CD von Capriccio 10 244 (1988).
CD-Tipp: Diese Motette finden Sie auf der CD „Schubert Messe in G“, ebenfalls gesungen von Daniel Johannsen!
Sonntag, 28. Juni 2025: Joseph HAYDN – „Theresienmesse“
Die Messe in B-Dur (Hob.XXII:12), die zu seinen sechs letzten großen
Messen gehört, wurde 1799 komponiert und erhielt ihren volkstümlichen Beinamen, weil das Werk der zweiten Gattin Franz’ II./I., Marie Therese von Bourbon-Neapel, gewidmet sein soll. Komponiert hat Haydn die Messe für seinen Dienstherrn Nikolaus II. Fürst Esterházy, für den er alle seine späten Messen schrieb. Die Theresienmesse verfügt über ein hohes Maß an Klangschönheit und ästhetisch-künstlerischer Qualität. Die Uraufführung der Theresienmesse fand am 8. September 1799 in der Bergkirche von Eisenstadt statt. Die Instrumentierung verweist eindeutig auf die Möglichkeiten des örtlichen Orchesters und an die dortigen Aufführungsbedingungen. Auffällig ist die relativ bescheidene Orchestrierung, da die Eisenstädter Hofkapelle immer noch in den Bläsern unterbesetzt war. Sie bestand damals lediglich aus sechs Sängerinnen und Sängern, sowie aus zehn Instrumentalisten, im Unterschied zu 40 Mitgliedern im Jahr 1790. Durch die Verwendung der Klarinetten, die überwiegend als colla-parte-Verstärkung eingesetzt sind, oder im Gloria und im Dona nobis einen trompetenartigen Duktus erhalten, erhält die Theresienmesse einen lyrisch-sanften Klangcharakter. Sie wirkt verhaltener und versöhnlicher als die Nelsonmesse, die im Jahr zuvor entstanden ist. In der Partitur fehlt die Fagottstimme, noch wird ein konkreter Hinweis zu dessen Mitwirkung gegeben. Im Stimmenmaterial der Uraufführung findet sich allerdings eine Fagottstimme, die bis auf wenige Stellen keine Eigenständigkeiten erkennen lässt, sondern zur Verstärkung des Instrumentalbasses zum Einsatz kommt.
Die Messe ist geschrieben für Chor, Soloquartett, Orgel, zwei Klarinetten, zwei Trompeten, Fagott, Streicher und Pauken. Eine Aufführung der Messe dauert ca. 45 Minuten.
Text aus dem Internet, Autor unbekannt.
Solisten: Eva Maria Schmid, Katrin Auzinger, Daniel Johannsen und Markus Volpert.
