Newsletter September 2022

Liebe mit der Kirchenmusik – und mit der Chorvereinigung – Verbundene!

Mit dem ersten Sonntag im September beginnt unser „Wintersemester“, unser Arbeitsjahr. Arbeitsjahr im Unterschied zu den Sommerferien, wo wir traditionell pausieren. Das mag auch in Zukunft so sein, muss aber nicht. Manches könnte sich an unseren liebgewordenen Gepflogenheiten noch ändern in dieser Situation des Umbruchs, in der die Chorvereinigung quantitativ, keinesfalls aber qualitativ geschwächt aus einer pandemischen Ausnahmesituation hervorgeht, die sich immer mehr in Richtung einer neuen Normalität auflöst. Weder der Obmann noch der Vorstand, noch der Musikalische Leiter wissen, was alles möglich sein wird – doch einiges kann ich jetzt schon versprechen: die Chorvereinigung St. Augustin wird ihrer Verpflichtung, qualitativ stets das Höchste in der Kirchenmusik anzustreben, treu bleiben.

Diesen Anspruch möchten wir gleich am letzten Septembersonntag unterstreichen, wenn wir Haydns letzte der „sechs großen“ Messen aufführen, die „Harmoniemesse“, das opus ultimum der Haydnschen Kirchenmusik. Ihr werden im Laufe dieser Saison die anderen 5 großen Haydn-Messen folgen; jede ein Höhepunkt an Tiefe, Innigkeit, aber auch Dramatik in der sakralen Musik.

Eine „kleinere“ Haydn-Messe leitet die Saison ein. Bei der Nikolaimesse wird der uns seit Jahrzehnten verbundene Daniel Johannsen das Tenor-Solo singen. Über ihn braucht man nicht viele Worte zu verlieren, denn es gibt kaum einen lyrischen Tenor, der international mehr herumgereicht wird, mehr Passionen, Oratorien und Liederzyklen rauf und runter singt als er. Ich hatte zuletzt im Juni die Freude, gemeinsam mit ihm den Retzer „Elias“ zu singen, diese äußerst gelungene szenische Umsetzung des Oratoriums als Kirchenoper – vielleicht auch einmal als Adaptierung für die Jesuitenkirche anzudenken (wenn jemand das finanziert).

Mit dem Engagement von Daniel machen wir das so: wir fragen ihn, wann er Zeit hat, und versuchen dann, ein Werk anzusetzen, das gut für ihn passt. Er sagt, es ist ihm egal, was wir ansetzen – er singt bei uns alles gern. Das nehmen wir einmal als Kompliment.

Freuen Sie sich mit uns auf den Beginn der Saison und auf die wunderbaren Werke – und die großartigen Mitwirkenden!

Ihr Martin Filzmaier

 

Sonntag, 4. September 2022: Joseph HAYDN – „Nikolaimesse“ (1772)

Mit der „Nikolaimesse“ (Missa Sancti Nicolai in G-Dur, Hob. XXII:6, auch „Sechsviertelmesse“ genannt) erfüllte Haydn möglicherweise den Auftrag seines Dienstherrn, eine Messe zu dessen Namenstag am 6. Dezember 1772 zu schreiben. Vielleicht war es auch Haydns spontaner Entschluss, dem Fürsten mit einer neuen Messe seinen Dank zum Ausdruck zu bringen. Haydn hatte im November 1772 mit Hilfe seiner Abschiedssymphonie Fürst Nikolaus bewogen, mit dem Hofstaat vom feuchten Sommersitz im ungarischen Esterháza nach Eisenstadt zurückzukehren. Jedenfalls ist im originalen Stimmensatz, der in Eisenstadt aufbewahrt wird, die große Eile bei der Herstellung des Materials erkennbar. Vom Typus her entspricht die Nikolaimesse der „Missa brevis“, kontrapunktische Techniken werden sparsam eingesetzt, im Credo findet sich die Polytextierung, für das Dona nobis greift Haydn auf das Kyrie mit seinen tänzerischen Akzenten zurück, eine im süddeutsch-österreichischen Raum verbreitete Praxis. Liedhafte Melodik, der Verzicht auf ausschweifende Solopassagen, die dramatische Ausgestaltung einzelner Textaussagen sowie die intensive differenzierte Affektsprache sind die stilistischen Elemente, mit denen Haydn äußerst konzentriert arbeitet. Wegen des ungewöhnlichen Metrums im Kyrie erhielt das Werk auch die Bezeichnung „Sechsviertel-Messe“. Der galant idyllische Tonfall der Nikolaimesse entspricht dem Typus der „Pastoralmesse“. Auch bei dieser Messe Haydns sind Erweiterungen in der Instrumentierung mit Trompeten und Pauken überliefert.

Spiritueller und musikalischer Höhepunkt der Messe ist zweifellos das mit verhaltener Streicherbegleitung unterlegte Solistenquartett des Crucifixus. Die außerordentliche harmonische Dichte dieses kurzen, meditativen Teils hebt sich deutlich aus dem „galant Idyllischen“ dieser Messe heraus. Nie ist bei Haydn die Vertonung des Messtextes musikalischer Selbstzweck; immer hat Verkündigungscharakter. Wie so oft in seinen Messkompositionen legt der Komponist die seinem persönlichen, im besten Wortsinn „gut katholischen“ Glauben entsprechende Akzentuierung in den Messtext, wenn er die Solisten immer wieder das „pro nobis“ insistieren lässt: für uns musste der Heiland dieses Leiden erdulden, für uns ist Er gestorben, wurde Er begraben – „pro nobis“.

Sonntag, 11. September 2022: W. A. Mozart – „Piccolominimesse“ KV 258 (1775)

Mozart komponierte diese Missa brevis in C-Dur 1775 für vierstimmigen Chor, Soli und Orchester. Der durch Pauken und Trompeten entstandene feierliche Charakter der Messe wird durch später hinzugefügte Oboen-Stimmen weiter hervorgehoben. Dem Gebot der Kürze kommt große Beachtung zu. Einige Besonderheiten weist das stark komprimierte Schlussfugato des Gloria und das die Trinität darstellende Unisono im Credo auf. Das Benedictus stellt sich im Allegro mit voller Besetzung und vokaler Doppelchörigkeit gegen die leise und getragene Tradition dieses Satzes. Das Dona nobis pacem ist in die Gesamtform des Agnus Dei eingebunden.

Gelegentlich trägt die Missa brevis KV 258 den Beinamen „Piccolomini-Messe“, dessen Herkunft jedoch ungeklärt ist. In der Vergangenheit war die Messe auch unter dem Beinamen „Spaur-Messe“ bekannt. Leopold Mozart hatte am 28. Mai 1778 in einem Brief an Wolfgang Amadeus eine Messe erwähnt, die dieser 1776 anlässlich der Konsekration von Ignaz von Spaur zum Weihbischof von Brixen komponierte. In der Mozart-Forschung herrschte lange Zeit Unsicherheit darüber, um welches Werk es sich bei dieser „Spaur-Messe“ genau handelte.

Alfred Einstein (deutsch-amerikanischer Musikwissenschaftler, 1858-1952) bedachte die Messe KV 258 mit dem Spitznamen „Spaur-Messe“, ohne dies näher zu begründen. Neuere Forschung geht einhellig davon aus, dass es sich bei der „Spaur-Messe“ um die Messe C-Dur KV 257 („Große Credomesse“) handelt. Dies hatte der Musikwissenschaftler Alan Tyson 1987 durch Vergleiche der von Mozart verwendeten Notenpapiere plausibel machen können. Bestätigt wurde dies 2007 durch den Fund eines Stimmensatzes in Brixen mit handschriftlichen Eintragungen von Wolfgang Amadeus und Leopold Mozart. (aus Wikipedia)

 

Sonntag, 25. September 2022: Joseph HAYDN – „Harmoniemesse“ (1802)

Die Harmoniemesse Hob.XXII:14 ist die letzte vollendete Komposition des 70-jährigen Haydn. Im Unterschied zu den vorhergehenden Messen begann er bereits früh mit der Komposition. So berichtet er im Juni 1802 seinem fürstlichen Dienstherrn, er sei mit der neuen Messe „sehr mühsam fleissig, noch mehr forchtsam, ob ich einigen beyfall erhalten könne“.  Haydns angeschlagene Gesundheit, er nannte sich selbst einen „immer kränklichen alten Knaben“, hatte nicht im geringsten Auswirkungen auf die Komposition, noch ist ein Nachlassen der schöpferischen Kraft feststellbar. Die künstlerische Qualität seiner letzten Messe ist derart überragend, dass sie von Leopold Nowak als „Summa Missarum Josephi Haydn“ (Summe der Messkompositionen Haydns) bezeichnet wurde.

Die Harmoniemesse ist von einem hohen Maß an Individualität durchdrungen und verbindet die Gattungstradition mit in die Zukunft weisenden musikalischen Strömungen. Haydn fand am Ende seines Lebens zu einer Tonsprache, die bereits Züge der Frühromantik trägt. Er überrascht mit unerwarteten Modulationen, besonders in terzverwandte Tonarten.

Der bei der Uraufführung am 8. September 1802 in der Eisenstädter Bergkirche anwesende Fürst Starhemberg, österreichischer Gesandter in London, schrieb in sein Tagebuch: „Eine herrliche Messe mit einer neuen wundervollen Musik vom berühmten Haydn… unvergleichlich schön und vorzüglich ausgeführt“. Am darauffolgenden Tag wurden die schönsten Sätze der Messe in einem Konzert wiederholt.

Der Name „Harmoniemesse“ bezieht sich auf die reichhaltige, differenziert eingesetzte Bläserbesetzung der Messe, die in Erweiterung zur „Schöpfungsmesse“ neben den Oboen, Fagotten, Klarinetten, Hörnern, Trompeten und Pauken zusätzlich auch noch eine Flöte vorsieht.

 

 

Sonntag, 2. Oktober 2022: Franz SCHUBERT – Messe Nr.3 in B-Dur