Oktober 2016: Verdi, Haydn und Beethoven

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Chorvereinigung St. Augustin in der Jesuitenkirche

NEWSLETTER OKTOBER 2016

Liebe Freunde der Kirchenmusik! Sehr geehrte Damen und Herren!

 Als erster Höhepunkt der kirchenmusikalischen Tätigkeit des Chores im Herbst 2016 ergab sich für die Chorvereinigung St. Augustin die erfreuliche Gelegenheit, am 2. Oktober gemeinsam mit dem deutschen BundesJuristenOrchester unter der Leitung von Georg Dücker Verdis „Messa da Requiem“ erneut aufzuführen. Am 19. Mai dieses Jahres war dieses Konzert bis zum letzten Platz ausverkauft gewesen. Unter geänderten Rahmenbedingungen – mit Gastorchester, Gastdirigent, Gastsolistinnen und -solisten, jedoch mit unserem Chor und am gewohnten Ort, um 19 Uhr 30 in der Wiener Jesuitenkirche. Doch schon zuvor, um 10 Uhr 30, ist unser Chor bei der üblichen Sonntagsmesse mit Mozarts Spatzenmesse aktiv.

Im Laufe des Monats können Sie in der Jesuitenkirche drei weitere große Werke der klassischen Wiener Kirchenmusik hören. Nach zwei beliebten Messen von Joseph Haydn, der „Schöpfungsmesse“ und der „Mariazellermesse“, die übrigens neu für CD aufgenommen wird, präsentieren wir eine Woche später die „Messe C-Dur“ von Ludwig van Beethoven.

Bitte kommen Sie zu uns, bringen Sie Ihre Freunde mit, machen Sie Werbung für unsere Arbeit und unterstützen Sie uns mit Ihrer Spende. Auch durch den Kauf von CDs mit Aufnahmen unseres Chores unterstützen Sie uns!

Hartwig Frankl, Obmann

 

Sonntag, 2. Oktober 2016, 10:30 Uhr: W.A. Mozart – „Spatzenmesse“, KV 220

Zum Offertorium erklingt die Kirchensonate in F-Dur von W. A. Mozart.

Als Solisten hören Sie Cornelia Horak – Sopran, Hermine Haselböck – Alt, Daniel Johannsen – Tenor und Klemens Sander – Bass.

Sonntag, 2. Oktober 2016: ABENDKONZERT

Giuseppe Verdi: „Messa da Requiem“ Beginn 19:30 Uhr

Solisten: Melba Ramos – Sopran, Zoryana Kushpler – Mezzo, Thorsten Scharnke – Tenor und
Yasushi Hirano – Bass.

BundesJuristenOrchester,  Leitung: Georg Dücker, Choreinstudierung: Andreas Pixner. Eintrittspreise: Abendkassa: 40,-/35,-

Sonntag, 9. Oktober 2016: Joseph Haydn – Missa in B, „Schöpfungsmesse“
(Hob. XXII:13)

(Franz) Joseph Haydn (auch Josef, er benutzte nie Franz; geb.: 31. März 1732 in Rohrau, Niederöster-reich; gest.: 31. Mai 1809 in Wien) verbrachte den größten Teil seiner Karriere als Hofmusiker und leitete das Orchester und die Oper der wohlhabenden Familie Esterházy auf deren Landsitz, für die er Musik zu komponieren hatte. Die Auswirkung der Abgeschiedenheit von anderen Komponisten und von den Strömungen der Musik beschrieb er mit dem bekannten Zitat: „Ich war von der Welt abgesondert, niemand in meiner Nähe konnte mich an mir selbst irremachen und quälen, und so musste ich original werden.“

1790 starb Fürst Nikolaus; sein Nachfolger entließ die gesamte Hofmusik und schickte Haydn in Pen-sion. Dieser akzeptierte darauf ein lukratives Angebot des deutschen Impresarios Johann Peter Salomon, nach England zu gehen und seine neuen Sinfonien mit einem großen Orchester aufzuführen.

Die Reisen (1791 bis 1792 und nochmals von 1794 bis 1795) waren ein großer Erfolg. Das Publikum stürmte Haydns Konzerte, und er erwarb schnell Ruhm und Vermögen. Musikalisch brachten die Besuche in England einige seiner bekanntesten Werke, darunter mehrere Sinfonien.

Haydn überlegte sogar, englischer Bürger zu werden und sich dauerhaft niederzulassen, doch er kehrte nach Wien zurück, ließ ein großes Haus für sich bauen und wandte sich der Komposition großer geistlicher Werke für Chor und Orchester zu. Unter anderem entstanden die zwei Oratorien „Die Schöpfung“ und „Die Jahreszeiten“ sowie sechs Messen für die Esterházy-Familie, die zu dieser Zeit wieder von einem musikalisch geneigten Prinzen geführt wurde. Haydn komponierte auch die letzten neun einer langen Reihe von Streichquartetten, unter anderem das „Kaiserquartett“, das „Quintenquartett“ und das Quartett „Der Sonnenaufgang“. Trotz seines fortschreitenden Alters schaute Haydn in die Zukunft; in einem Brief schrieb er: „Wieviel bleibt noch zu tun in dieser herrlichen Kunst!“

Im Jahre 1802 spürte Haydn, dass eine Krankheit, an der er schon seit einiger Zeit gelitten hatte, sich verschlimmert hatte, und er körperlich nicht mehr in der Lage war zu komponieren. Haydn verschied 1809 nach einem Angriff der französischen Armee unter Napoleon auf Wien.

Joseph Haydn wurde auf dem Hundsturmer Friedhof (heute Haydnpark in Wien-Meidling) beigesetzt, wo sein Grab zunächst von der Familie Esterhazy nicht mehr beachtet wurde. Erst die Bewunderung des Herzogs von Cambridge erinnerte Fürst Nikolaus II. wieder an den ehemaligen Bediensteten und dessen Genie. Er ließ Joseph Haydn 1820 exhumieren und nach Eisenstadt in die Haydnkirche (Bergkirche) überführen. Als bei diesen Arbeiten der Sarg geöffnet wurde, fehlte der Schädel des Komponisten. Nachforschungen ergaben, dass der Sekretär des Fürsten Esterhazy, Joseph Carl Rosenbaum, ein Anhänger der Schädellehre von Franz Joseph Gall, den Totengräber, einen Gefängnisverwalter sowie zwei Wiener Beamte bestochen hatte, acht Tage nach der Beisetzung heimlich noch einmal das Grab zu öffnen und den Schädel zu stehlen. Das Versteck des gestohlenen Schädels konnte zunächst nicht ermittelt werden, und so wurde der Leichnam ohne Schädel nach Eisenstadt überführt und dort beigesetzt. Später übergab der Gefängnisverwalter Johann Peter der Polizei einen angeblichen Schädel Haydns. Den echten Schädel hinterließ der Sekretär Rosenbaum seinem Freund Peter mit dem Auftrag, die Reliquie dem Musikkonservatorium zu vermachen. Doch weder Peter noch seine Witwe wagten die Herausgabe; der Schädel wanderte noch durch etliche Hände, bis er 1895 in den Besitz der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien gelangte, in deren Museum er sich bis 1953 befand. Nachdem schon einmal eine Rückgabe des Schädels in letzter Minute gescheitert war, konnte im Jahr 1954 nach einem Festzug von Wien nach Eisenstadt der Schädel mit dem Rest der Gebeine vereint werden. Der Bildhauer Gustinus Ambrosi durfte ihn in den Sarkophag legen und damit endlich, nach 145 Jahren, die Haydns Totenruhe herstellen.

Die Messe in B-Dur von Joseph Haydn ist die fünfte seiner sechs großen Messen. Haydn komponierte sie im Jahr 1801 und sie wurde in der Bergkirche Eisenstadt uraufgeführt. Ihren Namen erhielt sie deshalb, weil Haydn im Gloria bei der Textstelle „Qui tollis peccata mundi“ ein Thema aus seiner Schöpfung zitiert, nämlich die Passage „Der tauende Morgen, o wie ermuntert er“. Kaiserin Maria Theresia soll diese Stelle missfallen haben, denn der Text „der du trägst die Sünden der Welt“ erklingt so locker und leicht, worauf die Kaiserin die Änderung der Stelle forderte; Haydn ging allerdings nicht darauf ein.

Als Solisten wirken mit: Sandra Trattnigg – Sopran, Hermine Haselböck – Alt, Gustavo Quaresma – Tenor und Yasushi Hirano – Bass.

Zum Offertorium singt der Chor die Motette „Os justi“ von Anton Bruckner.

 

Sonntag, 23. Oktober 2016: Joseph Haydn, „Mariazellermesse“

In der Chronologie der Haydn’schen Kompositionen nimmt die „Mariazellermesse“ den achten Platz unter den uns erhaltenen Messen ein (Hob. XXII:8).

Die Handschrift der „Missa Cellensis“ aus dem Jahre 1782 war lange im Besitz der Abtei von Göttweig, wurde aber später nach Berlin verkauft. Sie trägt den Zusatz „Missa Cellensis Fatta per il Signore Liebe de Kreutzer. In Nomine Domini“. Anton Liebe, ein Freund Haydns, wurde nach 24 Jahren treuer Dienste in der Armee in den Adelsstand erhoben. Er bat Haydn, zur musikalischen Umrahmung dieses Ereignisses eine Messe für das Kloster von Mariazell zu schreiben.

Das aus diesem Auftrag hervorgegangene Werk nimmt in der kirchenmusikalischen Produktion des Komponisten eine Übergangsstellung ein. Die eindringliche Kraft der Instrumentation (mit Trompeten und Pauken) und der regelmäßige Pulsschlag der Bässe sind noch der Ästhetik des Barock verhaftet; die geraffte, bereits sinfonische Sprache des Aufbaus, die gekonnte Verbindung von „Künstlichem“ und Volkstümlichem sowie die enge Verknüpfung von Chor und Solistenquartett kündigen jedoch bereits die letzten sechs, zwischen 1796 und 1802 komponierten Messen an.

Ein knappes Adagio geht im „Kyrie“ dem Vivace (3/4) voraus, das vom Solosopran begonnen wird. Das in drei Teile aufgegliederte „Gloria“ beginnt der Chor. Das „Gratias“ trägt der Solosopran vor, dem „Qui tollis“ und „Miserere“ folgt die Schlußfuge des „Quoniam“. Im „Credo“ beeindruckt vor allem das Arioso des Tenorsolisten („Et incarnatus est“). Nach dem kurzen, zweiteiligen „Sanctus“ nimmt das „Benedictus“ eine Arie aus Haydns später entstandenen Oper „Il mondo della luna“ vorweg. Die dreifache Anrufung des „Agnus Dei“ geht schließlich in die großartige Fuge des „Dona nobis pacem“ und das triumphale C-Dur der Schlusstakte über.

†Friedrich Wolf (aus dem CD-Booklet)

Solisten: Cornelia Horak – Sopran, Martina Steffl – Alt, Ilker Arcayürek – Tenor, Klemens Sander – Bass.

Zum Offertorium hören Sie „Abendlied“ von J.G. Rheinberger.

 

Sonntag, 30. Oktober 2016: Ludwig van Beethoven, Messe C-Dur

Die Messe C-Dur op. 86 wurde von Ludwig van Beethoven von März bis August 1807 im Auftrag von Fürst Nikolaus II. von Esterházy zum Namenstag von dessen Frau Maria Josepha Hermengilde von Liechtenstein geschrieben.

Beethoven stand zur Zeit der Komposition seiner ersten Messvertonung unter dem Vorbild der von seinem Lehrer Joseph Haydn komponierten Messen, die er als „unnachahmliche Meisterstücke“ ansah und während seiner Kompositionsarbeit auch studierte. Dies findet seinen Ausdruck darin, dass Beethovens Skizzen zum Gloria seiner C-Dur-Messe, wie im Jahre 1991 der Musikwissenschaftler McGrann und unabhängig von ihm auch Alan Tyson entdeckte, auch zwei Stellen aus Haydns Schöpfungsmesse enthalten.

Die Messe wurde am 13. September 1807 in Eisenstadt uraufgeführt. Da dem Fürsten die Messe nicht zusagte, widmete Beethoven sie bei der Drucklegung dem Fürsten Kinsky.

Teile der Messe wurden am 22. Dezember 1808 im Theater an der Wien aufgeführt. (An diesem Abend wurden daneben noch die 5. Sinfonie, die 6. Sinfonie, das 4. Klavierkonzert sowie die Chorfantasie op.80 uraufgeführt.)

Beethoven distanzierte sich mit dieser Messe von den traditionellen Messvertonungen und behan-delte den Text nach eigener Angabe so, „wie er noch wenig behandelt worden“. Inzwischen steht diese Messe im Schatten von Beethovens Missa Solemnis.

Von Beethovens Sekretär und späterem Biographen Anton Schindler wird die vom Beethoven-Biographen Alexander Wheelock Thayer aufgegriffene Anekdote berichtet, dass der die Stilistik von Haydns Messvertonungen gewohnte Fürst Esterházy auf die C-Dur-Messe des adelskritisch eingestellten Beethoven spontan fragte: „Aber, lieber Beethoven, was haben Sie denn da wieder gemacht?“, was von Esterházys Hofkapellmeister Johann Nepomuk Hummel, der bereits einige Messen für den Fürsten geschrieben hatte, mit einem schadenfrohen Lachen quittiert wurde. Beethoven, dem der Fürst aus Anlass der Komposition der C-Dur-Messe zudem eine minderwertige Unterkunft zugewiesen hatte, verließ wütend die Stadt. Beethoven-Biograph Maynard Solomon bezweifelt den Wahrheitsgehalt dieser Anekdote, da ein Aufenthalt Beethovens in Eisenstadt von weiteren drei Tagen nach der Uraufführung verbürgt ist. Aus Sicht des Beethoven-Biographen Elliot Forbes spricht die Umwidmung an den Fürsten Kinsky jedoch dafür, dass der berichtete Vorfall tatsächlich stattfand.

E. T. A. Hoffmann hatte erwartet, in der Messe jene gewaltige Kraft vorzufinden, die er auch aus Beethovens 5. Sinfonie kannte, äußerte sich dann aber in seiner Rezension von 1813 über „den Aus-druck eines kindlich heiteren Gemüths“ überrascht, „das, auf seine Reinheit bauend, gläubig der Gnade Gottes vertraut und zu ihm fleht wie zu dem Vater, der das Beste seiner Kinder will und ihre Bitten erhört“. Im c-Moll-Abschnitt des Agnus Dei vernahm Hoffmann „ein Gefühl der inneren Weh-mut, die aber das Herz nicht zerreisst, sondern ihm wohlthut, und sich, wie der Schmerz, der aus einer andern Welt gekommen ist, in überirdische Wonne auflöst“.

Die Solisten sind Cornelia Horak – Sopran, Martina Steffl – Alt, Gernot Heinrich – Tenor, Yasushi Hirano – Bass.

Zum Offertorium hören Sie von Franz Schubert „Totus in corde langueo“ in C-Dur, für Sopransolo, Soloklarinette (Siegfried Schenner) und Orchester, D136.

Vermutlich von 1815 stammt sein erstes Offertorium für Sopran: ein gut fünfminütiges, sehr virtuos gestaltetes, dreiteiliges Werk in Da-capo-Form, welches Schubert höchstwahrscheinlich für Therese Grob, seine Jugendliebe, komponierte. Nur ein Jahr zuvor hatte sie bei der Uraufführung seiner ersten Messe in der Lichtentaler Kirche mitgesungen. Die Partitur sieht neben der üblichen Orchester-besetzung eine konzertante Klarinette oder Violine vor. Als liturgische Gebrauchsmusik konnte sich das frühe Werk allerdings nicht durchsetzen, weil es für den Einsatz in der Eucharistiefeier wohl zu weltlich klang.

Totus in corde langueo amori Dei ardeo
Amore divino ardeo, nunquam cessabo
Sed semper amabo, hoc sacro igne animam inflammabo.
Nec Tartarus me deterrebit, nec coelum separabit a caritate Christi.

Ganz im Herzen bin ich ermattet, von Liebe zu Gott bin ich entbrannt.
Von göttlicher Liebe brenne ich. Niemals werde ich aufhören,
immer werde ich lieben, mit diesem heiligen Feuer werde ich die Seele entflammen.
Die Hölle wird mich nicht abschrecken, der Himmel nicht trennen von der Liebe Christi
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