Michael Haydn und Rheinberger
in der Fastenzeit
Mozart in der Osternacht

Michael Haydn

NEWSLETTER MÄRZ 2018
Liebe Freunde der Kirchenmusik!
Sehr geehrte Damen und Herren!

Wir befinden uns mitten in der Fastenzeit und bringen zwei Messen von Michael Haydn, dem „Salzburger Haydn“, Bruder des großen Joseph Haydn: die „Missa Sanctae Crucis“ am 4. März, die schon länger nicht bei uns zu hören war, und die „Missa dolorum“ am Palmsonntag (25. März).

Neben diesen beiden Werken aus dem 18. Jahrhundert bringen wir aber auch ein Werk, das genau 100 Jahre jünger ist: den „Cantus Missae“ von Johann Gabriel Rheinberger am 11. März. Dieses anspruchsvolle Werk des Liechtensteiner Komponisten im 8-stimmigen Chorsatz erfordert großen Probenaufwand. Auch dieses Kleinod der Kirchenmusik sollten Sie nicht versäumen, selbst wenn es in der Kirche noch kalt ist!

Zu Ostern werden wir am Karsamstag die Auferstehungsfeier musikalisch mitgestalten. Diese wird in der Jesuitenkirche sehr feierlich begangen, Beginn ist um 21 Uhr, und man muss mit einer Dauer von 2 Stunden rechnen (anschließend gibt es eine Agape). Wir singen die „Krönungsmesse“ von Mozart und zum Schluss natürlich das „Halleluja“ von Händel.

Schließlich möchte ich Sie darauf aufmerksam machen, dass der Kartenvorverkauf für unser Frühjahrskonzert am 15. Mai bereits begonnen hat. Wir bringen den „Messiah“ von G .F. Händel nach acht Jahren wieder zur Aufführung. Mit Chor und Orchester der Chorvereinigung St. Augustin und einem exquisiten Solistenensemble werden wir Händels unsterbliches Oratorium in der Jesuitenkirche zum Erlebnis machen. Nützen Sie die Möglichkeit, die Karten im Vorverkauf zu bestellen (Kat. A: 35,- und Kat. B: 30,- €).

Kartenbestellungen werden ab sofort entgegengenommen. Sichern Sie sich Ihre Lieblingsplätze mittels online Bestellformular, per e-mail unter bestellung(at)chorvereinigung-augustin.com oder per Telefon unter +43 (0)677/624 302 84.

Hartwig Frankl, Obmann

Sonntag, 4. März 2018: Michael Haydn – Missa Sanctae Crucis, MH56 (1762)
Johann Michael Haydn, ein jüngerer Bruder von Joseph Haydn, wurde wahrscheinlich am 13. September 1737 in Rohrau an der Leitha geboren, einem Dorf an der ehemaligen Grenze zwischen Niederösterreich und Ungarn. Als Kind zeigte er eine so beachtliche musikalische Begabung, dass er 1745 in die Chorschule an St. Stephan in Wien aufgenommen wurde. Von dort trat er 1760 als Kapellmeister in die Dienste des Bischofs von Großwardein/Ungarn (heute Oradea in Rumänien). Von 1763 bis zu seinem Tode am 10. August 1806 war er Konzertmeister in der Hofkapelle des Fürsterzbischofs von Salzburg.

Michael Haydn genoss internationales Ansehen als hervorragender Komponist. Besonders berühmt war er wegen seiner Kirchenmusikwerke, die von Kennern, Liebhabern und Kritikern gleichermaßen als beispielhaft angesehen wurden. Haydns Gesamtwerk umfasst mehr als 800 Kompositionen. Gut zwei Drittel davon entfallen auf die Kirchenmusik, angefangen von volkstümlichen deutschen Gesängen bis hin zu groß besetzten symphonischen lateinischen Messen. Die lateinischen Messen haben in Haydns Oeuvre einen besonderen Stellenwert, nicht nur, weil sie in allen Schaffensperioden vertreten sind, sondern auch, weil sie die Ecksteine seines kompositorischen Schaffens markieren: eine im Jahre 1754 geschaffene Messe ist das früheste bekannte Werk des Komponisten, und die Messe des Jahres 1805 sein letztes vollendetes Werk.

Die „Missa Sanctae Crucis“ komponierte Haydn in den letzten Wochen seines Wirkens in Großwardein. Dem Autograph zufolge wurde sie am 29. März 1762 vollendet. Sie ist in contrapunto geschrieben, d.h. im A-capella-Stil des Johann Joseph Fux, dessen „Missa Sancti Caroli“ Haydn als Schüler an St. Stephan kennengelernt hatte. Wie Fux verwendet auch Michael Haydn in seiner Messe eine Vielfalt an kontrapunktischen Techniken, unter denen der Doppelkanon besonders bemerkenswert ist.

Obwohl die „Missa Sanctae Crucis“ auch als reines Vokalwerk aufgeführt werden kann, weist eine Notiz Haydns,”Senza Strumenti fino al signo” auf dem linken Rand des Crucifixus, darauf hin, dass in den anderen Messsätzen der Einsatz von colla parte gehenden Instrumenten erwartet wurde, entsprechend der damaligen kirchenmusikalischen Aufführungspraxis in Süddeutschland. Gemäß der Salzburger Tradition wurde, neben dem Orgelcontinuo der Sopran durch Violinen, der Alt entweder durch Violinen oder eine Altposaune und der Tenor und Bass ebenfalls durch Posaunen verstärkt.

Der Autograph befindet sich in der Bibliothek des „Conservatorio Luigi Cherubini“ in Florenz. Zwei Abschriften der Messe, die von Haydns wichtigstem Kopisten Nikolaus Lang geschrieben sind, befinden sich in der Bayerischen Staatsbibliothek München.

(Charles M. Sherman, Vorwort zur Partitur, 1986)

Zum Offertorium: „Also hat Gott die Welt geliebt“ von Heinrich Schütz (1585-1672).

Sonntag, 11. März 2018: J. G. Rheinberger – „Cantus missae“ op. 109 (1879)
Der in Vaduz geborene Josef Gabriel von Rheinberger (1839-1901) zeigte schon früh ungewöhnliche Musikalität. Er versah bereits als Siebenjähriger den Organistendienst in seinem Heimatort und kam mit 12 Jahren zur Ausbildung an das Münchner Konservatorium, wo er seine Kommilitonen bald überflügelte und bereits zahlreiche Werke schuf. Als er 19 Jahre war, bot ihm das Konservatorium eine Dozentur für Klavier, später für Orgel und Komposition an, die er bis kurz vor seinem Lebensende ausüben sollte.

Rheinberger gehört zu den Komponisten der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, die nach Jahren des Vergessens zunehmend in das Bewusstsein von Musikpraxis und Musikforschung zurückgekehrt sind. Sein umfangreiches Œuvre, darunter allein 197 mit Opuszahl veröffentlichte Werke, umfasst Klaviermusik, Orgelmusik, geistliche und weltliche Chormusik, Sololieder, Kammermusik, Sinfonien, Konzertouvertüren, Schauspielmusiken und Opern. Ohne viel Werbung in eigener Sache zu machen, gehörte Rheinberger zu den erfolgreichen Komponisten seiner Zeit, an den Verleger, Musiker und Chöre mit Kompositionsaufträgen herantraten. Als Hofkapellmeister des bayerischen Königs Ludwig II. nahm er seit 1877 eine zentrale Position innerhalb der katholischen Kirchenmusik in Deutschland ein. Er komponierte lateinische Messen und Motetten, die in ihrer Unabhängigkeit von den einengenden Vorschriften der cäcilianischen Kirchenmusikreformer seiner Zeit wegweisend waren. Er war als Kompositionslehrer am Münchner Konservatorium eine Kapazität von internationalem Rang. Zu seinen Schülern zählten unter vielen anderen Engelbert Humperdinck, Ermanno Wolf-Ferrari und Wilhelm Furtwängler sowie eine ganze Generation junger amerikanischer Komponisten (z.B. Horatio Parker und George Chadwick). Zahlreiche Orden und Auszeichnungen spiegeln den Erfolg des gebürtigen Liechtensteiners.

Rheinberger war ein entschiedener Klassizist, der Mozart und Bach zu seinen großen Leitbildern erhob. Auch wenn er die Musikgeschichte nicht nachhaltig prägen konnte, so steht er doch als großer Lehrer und bedeutender Repräsentant einer vielfältigen Musikkultur am Ende der klassisch-romantischen Epoche.

Der „Cantus missae“ – nach dem Musikwissenschaftler Otto Ursprung die „schönste reine Vokalmesse des 19. Jahrhunderts“ – ist Rheinbergers einzige doppelchörige Messkomposition. Sie erhält ihre eigene Prägung durch den Rückgriff auf Kompositionstechniken der altklassischen Vokalpolyphonie und die gleichzeitige Verwendung von funktionaler Harmonik und ausdrucksvoller, liedhafter Stimmführung. Für diese Messe wurde Rheinberger von Papst Leo XIII. im Jahr 1879 mit dem Gregorius-Orden ausgezeichnet.
Zum Offertorium singt der Chor die Motette „Fürwahr, er trug unsre Krankheit“ von Melchior Franck (1580-1639).

Palmsonntag, 25. März 2018: Michael Haydn – „Missa dolorum Beatae Mariae Virginis” in a-Moll, MH 57 (1762)
Von Erzbischof Sigismund von Schrattenbach nach Salzburg gerufen, wurde Michael Haydn (1737-1806) am 14. August 1763 zum Hofkomponisten (Hofmusicus und Concertmeister) in Salzburg ernannt. Er wurde als Nachfolger Wolfgang Amadeus Mozarts 1782 als Organist an der Dreifaltigkeitskirche tätig und war zuletzt auch für die Dommusik zuständig. In Salzburg wirkte er insgesamt 43 Jahre lang. In dieser Zeit schrieb er 360 sakrale und weltliche Kompositionen, vor allem Instrumentalmusik. Er war ein Freund Mozarts, wobei die beiden Musiker einander sehr schätzten.

Michael Haydn wurde am 13. August 1806 in der Kommunalgruft im Petersfriedhof Salzburg beigesetzt. Im Totenbuch des Friedhofs von St. Peter schrieb Prior P. Gabriel Hutter über Michael Haydn folgendes: „Sein Charakter war stille, behutsam, Bescheidenheit, Rausch und Spiele waren ferne von ihm, Mäßigkeit in Denken, Reden, und auch andere Musikwerk zu beurteilen, war, was ihn beliebt und schätzenswert machte.“

Sein vor allem in katholischen Messen häufig gesungenes Werk ist das Deutsche Hochamt („Hier liegt vor Deiner Majestät“), das zu den wenigen kirchlichen Volksgesängen der Klassik gehört. Haydn war ein wichtiger Wegbereiter der geistlichen Musik. Bekannt sind seine geistlichen Chorwerke, darunter die „Missa Hispanica“ (für die er 1804 in Stockholm sein Diplom erhielt), eine Messe in d-Moll, das „Schrattenbach-Requiem“ in c-Moll (MH 155), ein „Lauda Sion“ unter dem Titel  „Deinem Heiland, deinem Lehrer” und eine Reihe von Gradualien, von denen 42 in Anton Diabellis „Ecclesiasticon“ gedruckt wurden. Außerdem gilt Michael Haydn als wichtiger Verfechter des Männerchores. Er war auch ein fruchtbarer Komponist weltlicher Musik. Unter anderem schuf er 41 Sinfonien, einige Instrumentalkonzerte und Kammermusik. Eine Begründung, warum Michael Haydn weit weniger bekannt ist als sein berühmter Bruder Joseph, mag darin liegen, dass seine Werke zu seiner Lebzeit nicht verlegt wurden, sondern lediglich in handschriftlichen Kopien hauptsächlich von Kloster zu Kloster, hier vor allem natürlich seine geistlichen Werke, verbreitet wurden. Ein Großteil des Schaffens von Michael Haydn ist der Öffentlichkeit noch weitgehend unbekannt und harrt noch seiner Entdeckung.

Zum Offertorium singt der Chor „O Haupt voll Blut und Wunden“, ein Kirchenlied von Paul Gerhardt (1607–1676) mit einer – ursprünglich weltlichen – Melodie von Hans Leo Haßler (1564–1612). Der evangelische Kirchenlieddichter Paul Gerhardt übersetzte den lateinischen Hymnus Salve caput cruentatum 1656 ins Deutsche. Die Melodie ist eine rhythmisch vereinfachte Fassung des Liebeslieds „Mein G’müt ist mir verwirret” von Hans Leo Haßler, das erstmals 1601 erschien. Einzelne Strophen des Chorals wurden von Johann Sebastian Bach (1685–1750) in der Matthäuspassion (BWV 244) verwendet. In das Evangelische Gesangbuch wurde das Werk als Nr. 85, in das katholische Gotteslob als Nr. 289 aufgenommen.

Karsamstag, 31. März 2018 – Osternacht (Beginn: 21 Uhr):
W. A. Mozart – „Krönungsmesse“ Missa solemnis in C-Dur KV317 (1779)

Mozart war gerade nach dem missglückten Versuch, in Paris und Mannheim Fuß zu fassen, nach Salzburg zu seinem ihm verhassten Arbeitgeber, dem Fürsterzbischof Colloredo zurückgekehrt, als er den Auftrag erhielt, eine Messe zu schreiben. Er hatte sich sehr darüber ereifert, dass die Komposition aufgrund des reformerischen Gottesdienstes zeitlich sehr eingeschränkt war: „Unsere Kirchenmusik ist von der in Italien sehr verschieden, da eine Messe auch beim feierlichsten Anlass nicht länger als dreiviertel Stunden dauern darf, wenn der Fürst sie selber liest“, klagte er einem Freund.

Trotzdem, oder vielleicht gerade deswegen gelang ihm ein, innerhalb dieses Genres, unvergleichliches 25-minütiges Kleinod. Die Gründe der bis heute ungebrochenen Popularität dieser Messkomposition liegen sicherlich in ihrer sinfonischen Strukturierung, der formalen Geschlossenheit, ihrer Festlichkeit, vor allem aber in der fast volkstümlichen Eingängigkeit ihrer Melodien. In der musikalischen Fachwelt allerdings brachte gerade letztgenannter Umstand diesem Sakralwerk zuweilen den Vorwurf allzu starker Weltlichkeit ein – einer Kritik, die der Franzose Bernard Gavoty im Almanach der Osterfestspiele Salzburg 1973 zu entkräften suchte: „Für Mozart gibt es keine Grenze zwischen Menschlichem und Göttlichem, zwischen Natur und Übernatur. Alles spricht zu ihm von Gott, er aber spricht unentwegt mit Gott. Ein Vogel singt immer gleich, ob vor einem Fürsten oder vor einem Bettler. Vor Gott und vor den Menschen singt auch Mozart dieselbe Weise.“

Das Werk wurde 1779 uraufgeführt, und später anlässlich der Krönungsfeierlichkeiten Leopolds II. in Prag (September 1791) und – nach dessen plötzlichem Tod – für Franz I. (August 1792) unter der Leitung Antonio Salieris gespielt. Der Name „Krönungsmesse“ tauchte erst acht Jahrzehnte nach Mozarts Tod auf, wohl weil die Komposition während zweier Krönungen aufgeführt wurde.
Als Solisten wirken mit: Cornelia Horak, Annely Peebo, Alexander Kaimbacher und N.N. (Bass)
Zum Schluss singt der Chor das „Halleluja“ von G.F. Händel.